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Salzburger Festspiele : Am Zeitgenössischen misst sich der Festivalgedanke

  • -Aktualisiert am

Buddhistische Ritualgesänge, der Musik der Gregorianik gegenübergestellt Bild: Silvia Lelli

Der facettenreiche Konzertreigen von Salzburg Contemporary: Ein Dom aus Bruckner, eine Explosion mit Mahler und heimliches Theater mit Birtwistle. Das Ergebnis ist überwältigend.

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          Die Salzburger Festspiele bestehen nicht nur aus einem halben Dutzend Opernaufführungen, sondern auch aus rund hundert Konzertereignissen. Die mit den Wiener Philharmonikern, mit fünf eigenen Konzerten, jeweils zweimal aufgeführt, bilden die repräsentative Spitze. Gleichwohl ziert sich das Orchester wieder einmal, wie auch früher schon, fühlt sich nicht mehr so recht geliebt in Salzburg, droht mit Weggang, irgendwohin, nach Südafrika oder Arabien.

          Dabei gibt es keinen Grund zu schmollen. In der Oper ist die Dominanz der Philharmoniker unbestritten, im Konzert ebenso. Wenn sie, zum Beispiel, Bruckners Fünfte in einem ihrer Konzerte spielen, gibt es an ihrer Spitzenstellung nichts zu deuteln, was sicher auch an dem Dirigenten Christian Thielemann liegt: Das Orchester akzeptiert seine Kompetenz, er selbst verlässt sich auf die Kompetenz des Orchesters. Das Ergebnis ist überwältigend.

          Analytische Durchleuchtung der Strukturen des Werks

          Nicht immer hört man diese Symphonie so geschlossen in der formalen Konzeption, so intelligent gestaffelt in den atemholenden Pausen, so fulminant gesteigert in den weiten, quasi-dramatischen Steigerungen. Thielemann, und das ist seine Stärke, scheut sich nicht, mit dieser Bruckner-Symphonie einen mittelalterlichen Dom zu errichten - in St. Florian natürlich, aber was ist daran schädlich? Bruckners weiter Atem, dafür besitzt dieser Dirigent das adäquate Gespür. Ein großer Abend, Jubelstürme.

          Was also wollen die Wiener Philharmoniker? Fühlten sie sich von der Flut von vierzehn Konzerten der diversen venezolanischen Orchesterformationen zu Beginn der Festspiele bedroht? Immerhin umstellte das „Simon Bolivar Symphony Orchestra of Venezuela“ im Mahler-Zyklus gleich mit drei Symphonien, der achten, dritten und siebten den exklusiven Mahler-Auftritt der „Wiener“. Aber keine Bange: Deren Darstellung der Symphonie Nr. 5 cis-Moll unter Zubin Mehta mag den Venezuelanern (wenn sie es denn gehört haben) zeigen, worauf es bei Mahler ankommt: Auf die gleichsam analytische Durchleuchtung der formalen Strukturen des Werks.

          Als Gast-Religion war der Buddhismus geladen

          Das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks unter seinem Chefdirigenten Mariss Jansons trat mit Mahlers zweiter Symphonie in Erscheinung. Jansons kann sich auf seine Musiker hundertprozentig verlassen. Er wühlt nicht in Todesangst und Verzweiflung, die in den ersten Sätzen der Zweiten Mahlers aufklingen. Er malt kein Klanggemälde, gleichsam wie „in Öl“ hingestrichen. Alles entfaltet sich aus klaren, fein ausgehörten Klanggestalten, in die der Ausdruck eingebunden wird: eine gespannte Expression, die bis in das zart aufklingende „Urlicht“ hineinwirkt. Im finalen Scherzo-Satz folgt die förmliche „Explosion“ - das Orchester entbindet eine Klanggewalt, die den Zuhörer überrollt. „Wild herausfahrend“, ordnete Mahler in seiner Satzbezeichnung an. Danach: ein wild herausfahrender Beifallssturm, in dem sich die spürbare Anspannung des Publikums nur langsam lösen will.

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