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Osterfestspiele : Ach, Oper!

In Salzburg wird Richard Strauss’ Arabella aufgeführt, hier Thomas Hampson (Mandryka) mit Renée Fleming (Arabella). Bild: Monika Forster

Ja, sind sie denn alle verrückt geworden? Warum bieten die drei teuersten Osterfestspiele in Berlin, Baden-Baden und Salzburg mit Wagners „Tannhäuser“, Puccinis „Manon Lescaut“ und Strauss’ „Arabella“ nur abgewetztes Standardrepertoire an?

          Wenn der Richtige kommt

          Lauter zweifelhafte Existenzen in der „Arabella“ von Richard Strauss. Dank Christian Thielemann wandelt sich das zu purem Sängerglück. Eleonore Büning, Salzburg

          Eleonore Büning

          Redakteurin im Feuilleton.

          Jan Brachmann

          Redakteur im Feuilleton.

          Musik ist Seelennahrung. Ein Lebensmittel. In diesem Punkt sind sich alle einig, da verstehen sich sogar Popmusikmanager mit denen der Klassikszene und auch die Stardirigenten mit ihrem Elitepublikum. Aber warum wird in der Oper an Feiertagen, zu teuersten Festspielpreisen, immer nur weißes Hähnchenbrustfleisch serviert? Das kulinarisch durchschnittliche, industrialisierte, geschmacksneutrale, abgewetzte Standardrepertoire? Strauss oder Puccini oder Wagner?

          In diesem Punkt argumentieren die Vertreter der musikalischen Hochpreiskultur eher wie Fastfoodkettenbetreiber. Sie sagen: Das mögen die Leute doch am liebsten! Sonst kriegen wir die Säle nicht voll! Es wäre einmal einen Versuch wert, all diesen weithin unterschätzten, viel Geld zahlenden Festspielgästen, die angeblich nur goutieren, was sie kennen, ab und zu auch eine Portion Slowfood aufzutischen. Etwas Herzhaftes, Fremdartiges, Aufregendes. Etwas Nachhaltiges, das sie nicht so rasch verdauen und vergessen. Und vielleicht mögen sie es ja doch? Festtage wären genau der richtige Zeitpunkt dafür.

          Thielemann holt aus jedem das Beste raus

          Christian Thielemann und seine Sächsische Staatskapelle Dresden eröffneten die Salzburger Osterfestspiele am Samstag mit Kulinarik pur. „Arabella“ von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal ist musikalisch traumhaft opulent - ein melodienseliges, formal wohlgerundetes Stück, voller Sängerleckerbissen. Nach Aussage oder Inhalt sollte man aber besser nicht fragen. Es gibt einige Stellen in dieser Konversationsoper, bei denen die Herumsteh-Handlung an ihrer eignen Muffigkeit beinahe erstickt.

          Komponist wie Librettist wussten sehr genau, dass sie das Rezept ihres „Rosenkavalier“ nicht würden wiederholen können. Trotzdem haben sie es versucht. „Wir sind nicht grad sehr viel. Wir laufen halt so mit als etwas zweifelhafte Existenzen“, erklärt da im zweiten Akt die junge, schöne Arabella, Spross aus verarmtem Adel, die mit einer guten Partie die Spielschulden ihres Papas kompensieren soll, dem schon etwas angegrauten Gutsbesitzer Mandryka. Dieser traurige Satz ließe sich anwenden auch auf alle anderen zynischen Zweifelhaftigkeiten des Stückes.

          Daniela Fally als Fiakermilli in einer Probe für Aufführung der Oper „Arabella“ von Richard Strauss während der Osterfestspiele in Salzburg.

          Mandryka ist der Traumprinz, ein Naturkind, er hat sich in Arabellas Bild verliebt und ist in den Sündenpfuhl Wien gekommen, um sie zu retten. Schon beim ersten Anschein einer Intrige aber fällt er um wie ein Maikäfer, wütend um sich schlagend. Thomas Hampson schafft es, selbst dabei noch stolz und nobel dreinzuschauen. Seine Baritonstimme hat viel von ihren lyrischen Schmelz eingebüßt, doch unter Thielemann, diesem begnadeten Sängerdirigenten, der mit den Stimmen atmet und jede einzelne trägt, hebt und belebt, wächst er über sich hinaus. Wie er das macht, ist sein Geheimnis: Aber Christian Thielemann ist einfach „der Richtige“, er holt aus jedem das Beste heraus.

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