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Fächerverbot in Salzburg : Hauch des Todes

  • -Aktualisiert am

Es war einmal und es war schön: Ein Fächer in der Hand einer Festspielbesucherin Bild: dpa

Wenn die Sitznachbarin einem ausladend Luft und Aerosole zufächert: Bei den Salzburger Festspielen wird der Gebrauch eines Fächers während der Vorstellungen untersagt.

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          Jetzt also auch das noch: Bei den Salzburger Festspielen ist während der Vorstellungen künftig der Einsatz von Fächern untersagt. Wie Lukas Crepaz, der kaufmännische Direktor, mitteilte, könnten durch den Gebrauch nämlich infektiöse Aerosole, die eigentlich von der Klimaanlage nach oben abgesaugt werden sollen, seitlich verteilt werden. Da würde dann auch der freigelassene Corona-Platz und die 1,5 Meter Abstand zwischen den Gästen nichts mehr nützen, denn je nach Fächerform und -stärke besteht die nachvollziehbare Gefahr, dass Viren vom Luftzug meterweit nach links und rechts geschleudert werden und so das Hygienekonzept unterlaufen wird.

          Einen entsprechenden Verbotshinweis haben die Organisatoren jetzt noch nachträglich in die automatische Ansage aufgenommen, die in Salzburg gerade vor jeder Vorstellung in deutscher und englischer Sprache zu hören ist. Übrigens spricht da nicht irgendwer zum Publikum, sondern die Buhlschaft aus dem „Jedermann“: Caroline Peters’ Stimme wies das Publikum schon von Beginn der Festspiele an darauf hin, dass zu Beginn der Vorstellung die Schutzmasken abgenommen werden können, spätestens beim Applaus aber Aufziehen wieder Pflicht ist.

          Wenn der Tod ruft

          Für die Verschärfung ums Fächerwedelverbot musste sie nun noch einmal ins Tonstudio; nicht auszumalen, welche Folgen es hätte haben können, wenn ausgerechnet dabei nun eine andere, unprominentere Stimme zu hören gewesen wäre. Obwohl natürlich der vibrierende Alt von Peter Lohmeyer, der beim aktuellen „Jedermann“ den Tod spielt, im Zusammenhang einer rigideren Seuchenprävention noch einmal ganz andere Überzeugungskraft hätte. Vielleicht muss Lohmeyer ja auch noch ran, wenn die wegen der Pandemie stark modifizierten und bis Ende August verkürzten Festspiele wirklich aus dem Ruder laufen. Dass jedenfalls fortan bei den Aufführungen nicht mehr gewedelt werden darf, ist auch aus akustischen Gründen zu begrüßen.

          Insbesondere beim Sprechtheater kann einen die ausladend Fächer schwingende Sitznachbarin trotz Abstand ziemlich aus der Fassung bringen und das Verstehen drastisch erschweren. Natürlich zählt das Fächerwedeln bei Kulturveranstaltungen zum vom Aussterben bedrohten Ritual symbolischer Statusmanifestationen und sollte wahrscheinlich wie die Rumba aus Kuba von der Unesco in den Rang eines immateriellen Kulturguts erhoben werden. Aber in diesem Festspieljahr, wo während der Aufführungen sowieso schon ungewöhnliche Stille herrscht – so wenig pausengehustet wurde nie –, ist das Verbot des Fächerwedelns sehr zu begrüßen. Selbst wenn die Schweißtropfen dadurch größer werden sollten – das gefährliche Abenteuer, das ein Opernbesuch derzeit bedeutet, wird so noch intensiver erlebt.

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