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Else Lasker-Schüler : Sie war den Sternen versprochen

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Wenn mein Herz gesund wär, würde ich aus dem Fenster springen: Else Lasker-Schüler um 1905 Bild: SZ Photo

Für die Träume dieser Dichterin hatte die Welt nicht genug Raum: Wuppertal erinnert zu ihrem 150. Geburtstag an Else Lasker-Schüler und zeigt ihr letztes, als unaufführbar geltendes Theaterstück „Ich und Ich“.

          Ein Feuervogel. Angezogen von den Flammen, ins Verderben heimlich verliebt, durch Schmerz lebendig, am Abgrund wandelnd, vom Wahnsinn auf Flügeln hinübergetragen: „wenn mein Herz gesund wär, spräng ich zuerst aus dem Fenster“. Else Lasker-Schüler – 1869, vor hundertfünfzig Jahren, als sechstes Kind in ein gutbürgerliches jüdisches Elternhaus in Wuppertal-Elberfeld geboren, sucht früh nach Auswegen aus dem vorgezeichneten Wohlleben. Die Krankheit ist einer – mit elf wird sie von einem gefährlichen Virus befallen und von der Schule genommen. Der Tod ist ein anderer – als sie zwanzig ist, stirbt die geliebte Mutter. Verzweifelt flieht sie in eine zu frühe Ehe, bekommt von einem anderen Mann ein Kind, versucht sich als Malerin. Die Armut wird ihr zum Zeichen des Widerstands gegen die bourgeoise Herkunft, um die Jahrhundertwende lebt sie allein mit ihrem Sohn in einem Berliner Kellerloch und schreibt Gedichte.

          Kein vernünftiger Sinn?

          Im Jahr 1902 erscheint ihr erster Lyrikband „Styx“, ein Jahr später heiratet sie erneut. Bücher erscheinen, Gedichtsammlungen und ein aufrührend phantastisches Theaterstück: „Die Wupper“. Nach dem Scheitern der zweiten Ehe wird Lasker-Schüler nie wieder eine eigene Wohnung haben. Ähnlich wie der nur ein Jahr ältere, ihr so gegensätzliche Stefan George zieht sie umher, verbringt die Zeit in Cafés, lebt bei Bekannten. Von denen gibt es genug: Eine Weile lang ist vor allem Gottfried Benn ihr Auserwählter, aber Freunde sind auch Georg Trakl, Franz Marc, Ernst Toller, George Grosz, Oskar Kokoschka, Martin Buber. Und Karl Kraus. Der lässt für sie in der „Fackel“ sammeln, 1912, im selben Jahr als ein Hamburger Landgericht zu dem Schluss kommt, dass ihren Gedichten „irgendwelcher vernünftige Sinn nicht innewohnt“.

          Blick in die Ferne

          Sie, die „nie regelmäßig aß, oft wochenlang von Nüssen und Obst lebte, oft auf Bänken schlief und arm war in allen Lebenslagen und zu allen Zeiten“, wie Benn sich später erinnert, ließ ihre Blicke in die Ferne gehen, suchte dort nach Hilfe, wo Erklärungen sich von den Vorstellungen lösen: im Reich des Phantasmas, dem Bezirk der Visionen. Ihre Freunde redete sie bald nur noch mit Phantasienamen an, ihren Verleger verklagt sie. 1927 stirbt der Sohn an Lungentuberkulose, und sie wird wegen ihrer jüdischen Herkunft auf offener Straße beleidigt. Den Kleist-Preis bekommt sie noch, aber wenig später schon werden ihre Bücher auf dem Berliner Universitätsplatz verbrannt. 1933 flieht Lasker-Schüler in die Schweiz, wo sie als Obdachlose durch die Straßen irrt und festgenommen wird. Ein Jahr später reist sie weiter ins Heilige Land nach Palästina, und als ihr zweites Theaterstück „Arthur Aronymus und seine Väter“ gleich nach der Uraufführung in Zürich abgesetzt wird, entschließt sie sich, für immer in Jerusalem zu bleiben. Ihr Geist folgt ihr dorthin nur noch widerwillig.

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