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Dirigent Christian Thielemann : Brautschau mit Bruckner

  • -Aktualisiert am

Er würde gerne bleiben: Christian Thielemann dirigiert die Münchner Philharmoniker Bild: ASSOCIATED PRESS

Dumm-grobianisch und vogelstraußschlau hat München den Dirigenten Christian Thielemann abgeschossen. Seither laufen die Musikfreunde Sturm. Warum der Maestro bleiben muss.

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          An diesem Sonntag um elf dirigiert Christian Thielemann in der Semperoper Dresden eine Matinee mit Bruckners Achter, c-Moll. So steht das nicht im Kalender. Kurzfristig wurden Repertoire und Dirigent von der Dresdner Staatskapelle ausgewechselt. Kein gewöhnliches Abokonzert also, eher könnte man von einer Art Brautschau sprechen oder von einem tönenden Bewerbungsschreiben oder sogar von einer Solidaritätsaktion. So oder so: Das Konzert, am Montag und Dienstag wiederholt, ist ein historisches Konzert, es wird Folgen haben.

          Ursprünglich auf dem Plan: Mahlers Siebte, dazu ein Stück für Orchester und 27 Spieluhren von Rebecca Saunders, die derzeit als Composer in Residence in Dresden arbeitet. Dirigieren sollte der amtierende Staatskapellenchef Fabio Luisi, der sich aber krankgemeldet hat.

          So kann Thielemann, den die Münchner Stadtväter vor acht Wochen überraschend mit so schwindsüchtigen Argumenten an die Luft gesetzt hatten, dass viele Münchner Musikfreunde, darunter ein erheblicher Anteil der rund 18.000 Abonnenten der Münchner Philharmoniker, den Fall immer noch für ein dummes Versehen oder vielmehr für einen Albtraum halten, aus dem man auch irgendwann wieder aufwacht, so kann Thielemann also jetzt zufällig einspringen für Luisi, der seinerseits den Dresdner Stadtvätern den Bettel hinwarf, wie verlautet, „aus persönlichen Gründen“.

          Luisi geht 2012 nach Zürich, wo besser gezahlt wird. Im Fall Thielemann ging es nie um Geld, vermutlich nicht mal wirklich um das, was man landläufig „Macht“ nennt.

          Thielemann ist ab 2011 frei, er geht wer-weiß-wohin. Die Auswahl an offenen Chefdirigentenstellen in seiner Gewichtsklasse ist nicht eben üppig. Die Dresdner Staatskapelle aber, die sowohl als Opern- wie auch als Konzertorchester agiert, würde Thielemann, so hat er es in den letzten Tagen wiederholt öffentlich erklärt, sehr gern übernehmen. Nur: Noch lieber bliebe er in München.

          Einigkeit im Orchester

          In München aber ist die Kiste inzwischen administrativ total vernagelt und verkeilt. Der sozialdemokratisch regierte Stadtrat hat die Causa Thielemann schnellstens wieder zu den Akten gelegt, am liebsten würde man hier gar nicht mehr darüber sprechen. Nachdem am 22. Juli mit nur einer Gegenstimme beschlossen worden war, den Vertrag des Chefs der Münchner Philharmoniker nicht über 2011 hinaus zu verlängern, bekräftigte erst Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers, zuletzt eine Stadtratssprecherin: Diese Entscheidung sei endgültig, eine „Nachverhandlung mit Herrn Thielemann nicht geplant.“

          Und hier die unglaubliche Chronik der Ereignisse: Das Orchester, seit 2004 von Thielemann betreut, sprach sich im Mai dieses Jahres mit Zweidrittelmehrheit für eine Verlängerung aus. Für einen Klangkörper dieser Güte, in dem die Individualitäten stark auseinanderstreben, zumal für ein so privilegiengewohntes und bestbezahltes Orchester wie das Münchner, ist dies ein hohes Maß an Einigkeit. Der entsprechende Vertrag wurde also ausgehandelt, er lag zur Unterschrift vor, alles bestens.

          So wird man sich an ihn erinnern

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