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Tiroler Opernfestspiele : Retter aus großer Not

  • -Aktualisiert am

Doppelintendant: Bernd Loebe, sitzt im Zuschauerraum seiner Frankfurter Oper. Bild: dpa

Frankfurts Opernintendant Bernd Loebe leitet jetzt auch die Tiroler Festspiele in Erl. Er wollte nicht tatenlos mitansehen, wie ein tolles Opernfestival in den Abgrund treibt.

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          Wagner-Opern nicht in Bayreuth, sondern auf einem österreichischen Dorf. Als der Dirigent Gustav Kuhn 1997 die Tiroler Festspiele in Erl ins Leben rief, hielten viele das für einen Witz. Doch der kühne Traum wurde zur Wirklichkeit. Jahr für Jahr bespielte Kuhn das 1959 erbaute Passionsspielhaus dort mit Wagner-Werken, 2005 glänzte er sogar mit einen „24-Stunden-Ring“: alle vier Teile von Wagners Opus magnum von Freitagabend bis Sonntagnachmittag. Überdies wurde in Erl ein neues Festivalhaus gebaut und 2012 eröffnet.

          Was wie ein Märchen begann, endete indes 2018 mit einem Skandal, der ganz Österreich monatelang bewegte. Fünf Musikerinnen hatten in einem offenen Brief sexuelle Übergriffe durch Kuhn beklagt, worauf dieser zuerst die künstlerische Leitung des Festivals ruhen lassen und schließlich im Oktober 2018 alle Funktionen in Erl aufgeben musste. Den Tiroler Festspielen drohte ein böses Ende.

          Schwanenritter: Loebe zwischen Passions- und Festspielhaus (rechts) in Erl.
          Schwanenritter: Loebe zwischen Passions- und Festspielhaus (rechts) in Erl. : Bild: PR

          Die Rettung kam aus Frankfurt. Der Schwanenritter, der das Festival in Erl vor einem schmählichen Ende bewahrte, hieß Bernd Loebe. Im Oktober 2018 übernahm der Intendant der Oper Frankfurt zu seinen Aufgaben in der Mainmetropole auch noch die Leitung der Tiroler Festspiele – und hat jetzt mit dem „Rheingold“ den ersten Teil des „Ring des Nibelungen“ auf die Bühne des riesigen Passionsspielhauses gestemmt. Im nächsten Jahr soll die „Walküre“ folgen, für 2023 sind „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ geplant, 2024 will das Festival den gesamten Zyklus zweimal anbieten.

          Frankfurt bleibt Hauptjob

          Zu seiner Zweitintendanz ist Loebe gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Hans Peter Haselsteiner, der Präsident und Finanzier der Tiroler Festspiele, rief nach dem Abgang von Kuhn den Frankfurter Intendanten an und ließ ihn wissen: „Sie müssen Erl übernehmen.“ Leider erwischte der frühere Chef des Strabag-Konzerns Loebe an einem denkbar ungünstigen Ort, nämlich im Bett eines Krankenhauses. 1.800 Meter über dem Meeresspiegel, nämlich in einem Hotel auf der Turracher Höhe an der Grenze zwischen Steiermark und Kärnten, hatte Loebe einen Hörsturz erlitten und musste mit dem Rettungswagen ins Spital gebracht werden. Wie solle er ihm zusagen, wenn er nicht einmal wisse, ob er je wieder seinem Beruf nachgehen könne, antwortete damals der malade Intendant dem drängenden Haselsteiner.

          Zu seinem eigenen und zum Glück für die Opernwelt kam Loebes Gehör nach einer Woche wieder vollständig zurück: Der Intendant war wiederhergestellt und zu neuen Taten bereit. Mit seinem Privathubschrauber flog Haselsteiner flugs herbei, und nach einer Stunde waren sich die beiden einig: Loebe übernahm für fünf Jahre die Intendanz in Erl. Natürlich musste der Frankfurter Opernchef dafür die Zustimmung seiner obersten Chefin, der Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), einholen. Nachdem er ihr hoch und heilig versichert hatte, dass seine Arbeit in Frankfurt nicht unter dem Nebenjob in Erl leiden werde, gab Hartwig, die Loebe bekanntermaßen schätzt und vor Kurzem seinen Vertrag bis 2028 verlängerte, ihre Zustimmung.

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