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Zum Tod von Montserrat Caballé : Die Schmerzen fühlen

  • -Aktualisiert am

2000 in Bulgarien: Montserrat Caballé auf einer Bühne am Kulturpalast von Sofia Bild: dpa

Die spanische Sopranistin Montserrat Caballé, die letzte große Operndiva, ist in ihrer Heimat Barcelona gestorben. Berühmt wurde sie mit ihrem einzigartig weichen Belcanto – aber auch durch Rock-Auftritte mit Freddie Mercury.

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          Ihr Durchbruch kam mit der Lucrezia Borgia von Donizetti. Das war im April 1965 in der New Yorker Carnegie Hall, Montserrat Caballé war gerade 32 geworden. Alles war da, was sie berühmt machte: Sie singt ihr piano so leise, dass es auf der alten Aufnahme kaum zu hören ist, und doch bleibt es immer fesselnd und voller Spannung. Donizetti, Rossini, auch Verdi waren ihre Heimat – also die späten Meister des Belcanto. Dafür war ihre Stimme perfekt, dieses warme Fließen in ihren Vokalen einzigartig.

          „Du musst die Oper leben“, sagte sie einmal. „Wenn Du etwas Trauriges singst, musst du die Schmerzen auch fühlen.“ Und so fühlt man es mit ihr, wenn sie die „La Wally“ singt oder das Finale der „Anna Bolena“. So lyrisch und weich wie sie sang keine andere. Die Vokale hüllen uns ein wie eine weiche Decke, und dann können doch immer wieder diese mächtigen Spitzen kommen – Caballé war eine Naturgewalt. „Damals konnte man noch die Oper lieben“, auch das sagte sie einmal über die Zeit, als ihre Karriere begann. Es blieb die Sehnsucht nach den Jahren Mitte des 20. Jahrhunderts, als ihre Freundin Maria Callas noch lebte, als Oper nie ironisch inszeniert wurde, sondern immer voller Drama.

          Politisch hat die Frau aus Barcelona sich nie geäußert, selbst in den Jahren unter Franco nicht. Sie lebte ohnehin auf den Bühnen der ganzen Welt. Ihre Karriere begann in Basel, sie sprach auch fließend deutsch. Anfang der Sechziger war sie drei Jahre in Bremen engagiert, sie kam immer wieder an die Hamburger Staatsoper – wenn ihr die Weltkarriere zwischen New Yorker Met und Wiener Staatsoper das erlaubte.

          Maria de Montserrat Viviana Concepción Caballé i Folch, so ihr voller Name, stammte aus äußerst armen Verhältnissen. Sie berichtete später davon, wie sie ausgelacht wurde, weil sie jeden Tag dasselbe Kleid zur Schule anzog – es war ihr einziges. Sie wurde im Barcelona des Spanischen Bürgerkriegs und der darauf folgenden Krisen groß. Heute gilt sie als Heldin der Katalanen, sie nannte aber stets sehr diplomatisch sowohl Katalonien als auch Spanien ihre Heimat. Anders als der Tenor José Carreras, den sie entdeckte und förderte, war sie nicht als Symbolfigur Kataloniens zu haben.

          Weltberühmt, auch außerhalb der Opernwelt, wurde sie Ende der Achtziger mit einer anderen internationalen Sprache: der des Pop. Der Queen-Sänger Freddie Mercury bewunderte ihre Technik, seit er sie 1981 im Londoner Royal Opera House gesehen hatte. In einer Radiosendung sagte er 1986, dass er ihre Stimme für die faszinierendste überhaupt halte. Ihr Manager hörte das und rief ihn an. So kam es zu einer intensiven Zusammenarbeit und zum Song „Barcelona“, der später die Hymne der Olympischen Sommerspiele 1992 in der Stadt wurde. Mercury und Caballé verstanden sich offenbar prächtig, schrieben noch etliche weitere Songs zusammen und spielten jahrelang gemeinsam in den großen Stadien der Welt.

          Die klassische Karriere der Caballé stagnierte allerdings danach, sie legte fast zwanzig Jahre Pause ein. Ab 2007 trat sie immer wieder auf, aber das Zeitalter der ganz großen Oper war gegangen. Zuletzt hörte man viel von gesundheitlichen Problemen – und von Ärger mit der Steuer. Aufgetreten ist sie trotz allem weiterhin, zuletzt im Juni in Kiew. Die Stimme war brüchiger, aber die Magie war immer noch da. Nun ist die große Operndiva im Hospital de la Santa Creu i Sant Pau in ihrer Heimatstadt Barcelona gestorben.

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