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Inge Keller ist gestorben : Sie war die diensthabende Gräfin der DDR

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Inge Keller, geboren am 15. Dezember 1923, gestorben am 6. Februar 2017 Bild: dpa

Man nannte sie den „einzigen Vamp der DDR“, sie selber formulierte feiner, als sie sich als „diensthabende Gräfin der DDR“ bezeichnete. Im Alter von 93 Jahren ist die Schauspielerin Inge Keller gestorben.

          Die Schauspielerin Inge Keller ist tot. Die Grande Dame des deutschen Theaters starb an diesem Montag im Alter von 93 Jahren in einem Berliner Pflegeheim.

          Am 15. Dezember 1923 als Fabrikantentochter in Berlin-Friedenau geboren, besuchte Inge Keller die Schauspielschule in Berlin. 1942 debütierte sie am Berliner Theater am Kurfürstendamm. In den folgenden Jahren spielte sie in Freiberg und Chemnitz, bevor sie 1947 nach Berlin zurückkehrte – zunächst ans Hebbeltheater, dann ans Schlosspark-Theater in West-Berlin. Von 1950 bis 2001 war Inge Keller Ensemblemitglied am Deutschen Theater im Ostteil Berlins, danach wirkte sie als Gast weiterhin in Produktionen mit.

          Mit Herwart Grosse bei Proben zu Gerhard Hauptmanns „Vor Sonnennuntergang“ im Oktober 1955 am Deutschen Theater in Ost-Berlin

          Ihren ersten großen Erfolg konnte Keller als Eliza Doolittle in Shaws „Pygmalion“ unter Rudolf Noeltes Regie feiern. Später arbeitete sie eng mit Regisseuren wie Wolfgang Langhoff oder Wolfgang Heinz zusammen. Unter deren Leitung avancierte sie zu einer der bedeutendsten deutschen Bühnenschauspielerinnen. Sie selbst bezeichnete sich ironisch als die „diensthabende Gräfin der DDR“, der MDR beschrieb sie 2006 als den „einzigen Vamp der DDR“: schön, elegant, preußisch distanziert. In ihren rund 50 Bühnenrollen spielte sie vor allem kluge, stolze und emanzipierte Frauen. Immer wieder gewann sie dem Klischee der Dame von Welt neue Nuancen ab.

          Mutter und Großmutter von Schauspielerinnen

          Seit Beginn ihrer Karriere arbeitete Inge Keller regelmäßig für Film und Fernsehen. So spielte sie in den Fernsehfilmen „Gewissen in Aufruhr“ (1961), „Kleiner Mann - Was nun?“ (1967) und „Effi Briest“ (1970). Nach längerer Drehpause konnte sie 1999 in Max Färberböcks „Aimée und Jaguar“ ein Leinwand-Comeback feiern. In der im Jahr 1943 in Berlin angesiedelten Liebesgeschichte zwischen der Mutterkreuzträgerin Lilly und der Jüdin Felice spielte sie die Lilly des Jahres 1997.

          1952 hatte Inge Keller den Rundfunk-Moderator Karl-Eduard von Schnitzler geheiratet, der seit 1960 in der Agitationssendung „Der schwarze Kanal“ auftrat. Aus der Ehe, die bald geschieden wurde, ging die Tochter Barbara Schnitzler, ebenfalls Schauspielerin, hervor, deren Tochter Pauline Knof sich in dritter Generation diesem Beruf verschrieben hat.

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