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350 Jahre Opéra de Paris : Die größte Oper der Welt

  • -Aktualisiert am

Am Anfang hat Louis XIV. noch mitgetanzt: Szene aus dem Film „Le Roi danse“ mit Beno Magimel (Mitte) Bild: INTERFOTO

Der Sonnenkönig Louis XIV. hat sie gegründet, seitdem hat sie Revolutionen und Konkurse überlebt. Jetzt wird die Opéra de Paris 350 Jahre alt.

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          Die Pariser Oper feiert am 28. Juni ihr 350-jähriges Bestehen. Am Anfang stand – ein gewaltiger Rückstand. Das Genre der Oper wurde Ende des sechzehnten Jahrhunderts in Italien erfunden. Doch vergingen nach der ersten Darbietung von Jacopo Peris „Dafne“ in Florenz volle 61 Jahre, bis 1659 das erste französischsprachige Musiktheater im namengebenden Pariser Vorort aus der Taufe gehoben wurde: „La Pastorale d’Issy“. Gewohnt spitzzüngig ätzte Voltaire aus der Perspektive des Nachgeborenen: „Doch wollten auch sie in jener Zeit eine Oper in ihrer Sprache haben, obwohl im ganzen Lande kein Mann imstande war, ein Trio zu komponieren oder passabel Geige zu spielen.“ Zumindest der erste Teil des Satzes trifft zu: Nachdem italienischstämmige Machthaber wie die Königin Marie de Médicis oder Kardinal Mazarin den Boden für italienische Opern bereitet hatten, strebte man in den 1660er Jahren danach, ein genuin französisches Repertoire zu schaffen. Das Ganze vor dem Hintergrund der forcierten Errichtung eines absolutistischen Regimes, das auch Kraft seiner kulturellen Hegemonie die anderen Nationen Europas beherrschen wollte.

          So verlieh Louis XIV. dem Textdichter der „Pastorale d’Issy“, Pierre Perrin, am 28. Juni 1669 das Privileg für die Gründung einer Opernakademie. Damit verbunden war das Monopol für die Aufführung gesungener Bühnenwerke, landesweit (bis auf den Hof) und für eine Dauer von zwölf Jahren. Doch schon bald landete Perrin im Schuldgefängnis und verkaufte sein Privileg an den geschäftstüchtigen Jean-Baptiste Lully. Innerhalb von fünfzehn Jahren, bis zu seinem Tod 1687, verwandelte dieser die in „Académie royale de musique“ umgetaufte Opernakademie in eine Institution, die alle Zeitläufte bis heute überdauerte. In enger Zusammenarbeit mit dem Librettisten Philippe Quinault schuf der surintendant de la musique des Sonnenkönigs neben ballets de cours und comédies-ballets ein gutes Dutzend tragédies lyriques. Dieses Genre bildete bis zum Tod des größten französischen Bühnenkomponisten des achtzehnten Jahrhunderts, Jean-Philippe Rameau, 1764, den Schlussstein des gallischen Opernsystems. Die tragédies lyriques waren genuin einheimisch – Italien hatte als Leitstern an Glanz verloren. Obligate Balletteinlagen zeugten von einer typisch französischen Vermengung von Gesang und Tanz, die noch Richard Wagner 1861 nötigen sollte, seinem „Tannhäuser“ in Paris ein getanztes Bacchanal zuzufügen.

          Knapp 900.000 Karten jährlich

          Es gibt ein paar Besonderheiten, denen die Pariser Oper ihr Profil verdankt. Erstens verlor das Haus nach der Revolution allmählich sein Monopol als Plattform musikdramatischer Prospektion. Zwar vermochte das Genre der grand opéra ab 1830 den Niedergang zunächst aufzuhalten. Doch schon bald verkrustete es selbst – eine geniale Ausnahme wie Giuseppe Verdis „Don Carlos“ (1867) bestätigt die Regel. Spätestens seit Bizets „Carmen“ (1875) war es die kleine, gar nicht so feine Opéra comique, an der die erfindungsreichsten Musikdramen aus der Taufe gehoben wurden: „Hoffmanns Erzählungen“, „Lakmé“, „Manon“, „Pelléas et Mélisande“. Von Wagner, dessen Werk in französischsprachigen Landen ab 1870 hauptsächlich durch die Brüsseler Monnaie-Oper verbreitet wurde, über die Ballets russes, die ab 1909 vom Pariser Théâtre des Champs-Elysées aus die Welt eroberten, zieht sich ein Faden bis heute, wo die innovativsten lebenden Komponisten auf den Spielplänen der Nationaloper durch Abwesenheit glänzen (sieht man von Beat Furrer und Salvatore Sciarrino ab).

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