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Die neue Theater-Saison : Wirtschaft, Horatio, Wirtschaft!

  • -Aktualisiert am

Die Theater springen in der kommenden Saison auf alle möglichen Trittbretter des kapitalistischen Katastrophenzugs und haben sich ein paar pfiffige Slogans überlegt. Elfriede Jelineks „Kontrakte des Kaufmanns“ ist das Stück der Stunde, die Dramatisierung großer Romane schreitet voran.

          Es wird wohl eine kuriose Spielzeit: Noch nie in der jüngeren Theatergeschichte wurde an so vielen Orten neu begonnen, wechselten so viele Schauspielchefs karussellmäßig ihre Wirkungsstätten wie in diesem Herbst, geht der Hannoveraner nach Dresden, der Berliner nach Frankfurt, der Zürcher nach Wien, der Basler nach Hannover, die Berlinerin nach Zürich, der Hamburger nach Berlin, der Wiener nach Hamburg. Aber selten noch waren Programme und Konzepte so austauschbar.

          Abgesehen davon, dass sich viele Häuser aus einem Pool ewig gleicher, ringsum vielbeschäftigter, markt- und markengängiger Regisseure (Thalheimer, Kimmig, Kriegenburg, Pollesch, Bosse) bedienen, wirken die deutschsprachigen Theater samt und sonders, als knieten sie fiebrig erstarrt in den Startlöchern, aus denen heraus sie dem großen Krisenzug hinterhersprinten. Dessen Trittbretter sind eindeutig ihre saisonalen Sehnsuchtsziele.

          Unterwäsche und Kapitalismus

          Wenn der neue Intendant des Hamburger Thalia Theaters seine erste Spielzeit eröffnet, darf das Publikum auf die Bühne. Jeder, der will, kann dann dort („höchstens aber drei Minuten lang“) etwas aus dem „Hamlet“ vortragen. Der Intendant denkt wohl an „Sein oder nicht sein“. Könnte aber durchaus sein, dass der eine oder andere ökonomische Hamburger den sarkastischen Einwand Hamlets zu den Gebräuchen am Hof zu Helsingör zitieren möchte, wo man die Teller zum Leichenschmaus gleich für die Hochzeitstafel gebraucht und der Dänenprinz seinem darob erstaunten Studienfreund mit „Wirtschaft, Horatio, Wirtschaft!“ Bescheid stößt. Dieser Hamlet-Ruf könnte zum Saison-Trompetenstoß überhaupt werden.

          Noch selten haben sich die Theater derart ums Ökonomische geschert wie in der kommenden Spielzeit. Der Kapitalismus ist ihr liebster Hauptdarsteller. Geld, das von den Theatern bisher immer nur in Form von Subventionen diskutiert ward, spielt jetzt auch inhaltlich eine große Rolle. Das Schauspiel Frankfurt nennt eines seiner Vorhaben gleich nur „Geld“. Das Staatstheater Schwerin wagt ein „Lob des Kapitalismus“, das es in den Räumen der Alten Staatsbank verkündet. Das Schauspiel Zürich untersucht in „Calvinismus Klein“ den „Zusammenhang zwischen Unterwäsche und Kapitalismus“ und dramatisiert Gottfried Kellers Roman „Martin Salander“ ausdrücklich unter dem Vorzeichen einer „grimmigen Wirtschaftsethik“, gespiegelt in der Geschichte eines Mannes, der „zweimal um sein Kapital gebracht“ worden sei.

          Glaube, Liebe, Schulden

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