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Alice Harnoncourt wird neunzig : Damit alte Musik uns berührt, schockiert, ergreift

Alice Harnoncourt hat als Sologeigerin Epoche gemacht und sagt, sie habe über ihre Rolle als Frau nie nachgedacht. Bild: Jan Brachmann

Als die meisten Orchester noch keine Musikerinnen aufnahmen, war Alice Harnoncourt Österreichs erste Konzertmeisterin. Mit ihrem Mann Nikolaus hat sie das Musikleben umgekrempelt. Bald wird sie neunzig. Ein Besuch.

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          Wie alle innerlich großen Menschen ist Alice Harnoncourt völlig umstandslos und hat die Gabe, ihrem Gegenüber sofort jede Befangenheit zu nehmen. „Ach, es ist wunderbar, dass Sie kommen“, sagt sie schon am Telefon, rasend schnell plaudernd wie eine weltversessene Achtzehnjährige, die einen ungeheuren Appetit auf die Zukunft hat. Danach schickt sie gleich eine SMS mit der richtigen Station „vom Bähnchen“, das von Vöcklamarkt gen Attersee fährt. „Vielleicht holt Sie meine Tochter ab. Freue mich sehr. Bis bald!“

          Jan Brachmann
          Redakteur im Feuilleton.

          Elisabeth von Magnus, Tochter von Alice und Nikolaus Harnoncourt, zugleich exzellente Sängerin, ist genauso munter und verschmitzt wie ihre Mutter. „Wenn Sie hinterher noch zum See wollen, können Sie gleich die Abkürzung durch die Felder nehmen. Es ist nicht weit, zwanzig Minuten vielleicht“, sagt sie, als wir die paar hundert Meter zum Haus der Familie in Sankt Georgen fahren. Elisabeth von Magnus, einer ihrer Brüder und Alice Harnoncourt leben hier gemeinsam auf dem alten Pfarrhof, den die Familie 1973 bezog. Die Stallungen in den Seitenflügeln sind zu Wohnungen ausgebaut. In der Mitte lagert Heu. „Als wir einzogen, gab es noch Kühe und Hühner“, sagt Elisabeth von Magnus.

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