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Komische Oper Berlin : Auffallen, ohne zu provozieren

Großer Auftritt auf engem Raum: Der Entwurf von Kadawittfeldarchitektur kommt markant und repräsentativ daher. Bild: kadawittfeldarchitekur

Der Architektenwettbewerb für den Erweiterungsbau der Komischen Oper in Berlin ist entschieden: Das Büro Kadawittfeld aus Aachen hat mit einem gefälligen Entwurf gewonnen. Im Jahr 2030 könnte er fertiggestellt sein.

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          Ein schlechtes Omen? Der Intendant der Komischen Oper Berlin, der unerschütterlich optimistische Barrie Kosky, würde wohl eher von einem ironischen Wink des Schicksals sprechen: Nachdem der Flügel eines Stuckengels an der Decke über dem Zuschauerraum abgebrochen war, wurde ein Netz gespannt, das die Besucher vor möglichen weiteren Bruchstücken aus dem Theaterhimmel schützen soll.

          Matthias Alexander
          Stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton.

          227 Millionen Euro hat der Berliner Senat inzwischen bereitgestellt, um das Haus an der Behrenstraße sanieren und durch einen Neubau mit Probebühnen, Büros, Tageskasse, Café und Kantine erweitern zu lassen. Die Summe ist nach heutigen Preisen veranschlagt, die tatsächlichen Kosten werden am Ende also deutlich höher liegen. Einen Fertigstellungstermin nennt Senatsbaudirektorin Regula Lüscher noch nicht. Mit der vertieften Bestandsaufnahme an den Altbauten wird im Jahr 2023 begonnen werden, sobald die Komische Oper in ihr Ausweichquartier, voraussichtlich ins Schillertheater, umgezogen sein wird. Erst wenn anschließend die Bauplanung vorliegt, soll ein Eröffnungstermin genannt werden. Auch in der Hauptstadt lernt man aus Fehlern.

          Immens schwierige Aufgabe

          Immerhin, die Berliner wissen jetzt schon, welcher Anblick sich ihnen um das Jahr 2030 bieten wird. Dieser Tage ist der Architektenwettbewerb, der sich wegen juristischer Auseinandersetzungen verzögert hat, entschieden worden. Der Neubau soll auf einem bisher als Parkplatz genutzten, schmalen Grundstück an der Glinkastraße entstehen. Es liegt westlich des Altbaus und grenzt im Norden an die Straße Unter den Linden. Dass das Areal eigentlich etwas zu klein für die dort vorgesehene Baumasse ist, machte die ohnehin schwierige Aufgabe, eine funktionale, prägnante und zugleich stadtbildverträgliche Lösung zu finden, noch anspruchsvoller.

          Das Büro Kadawittfeldarchitektur aus Aachen hat die Herausforderung am besten gemeistert und ist dafür mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden. Damit ist die Wahl auch auf eine markant-gefällige Architektur gefallen, die hinsichtlich Kubatur und Materialität aus dem nachbarschaftlichen Rahmen fällt, ohne zu provozieren. Der Entwurf fügt sich in die Umgebung ein, indem er die Traufhöhen der unterschiedlich hohen Nachbarn an Behrenstraße und Unter den Linden aufgreift. Zugleich wird das Motiv der Vor- und Rücksprünge, das im Portal des Opern-Altbaus angelegt ist, durch eine vielgestaltige horizontale und vertikale Staffelung der Baumasse deutlich verstärkt.

          Das Prinzip der Steigerung gilt auch für die Kombination unterschiedlicher Fassadenmaterialien wie Keramik, Stein, Stahl und Glas, die in repräsentativ anmutenden Farben wie Champagner, Bronze und Rot daherkommen. Sie wechseln nicht nach kulissenhaftem Belieben, sondern spiegeln die unterschiedlichen Nutzungen im Inneren wider. So erhalten der Kassenraum und das Café eine Glasfront, während die Eingänge mit Streckmetall verkleidet sind. Wie eine Klammer hält ein dreigeschossiger Aufbau, in dem vor allem Büros untergebracht werden sollen, die Gebäudeteile im Sockel zusammen.

          Haupthaus bleibt Haupthaus

          Vor allem aber gelingt es dem Siegerentwurf trotz seiner Dimensionen, das Haupthaus an der Behrenstraße als solches erkennbar zu lassen. Dessen Natursteinmantel wurde von Kunz Nierade um 1960 im Geiste eines gemäßigten Funktionalismus entworfen, ebenso das Foyer, das in den neobarocken Zuschauerraum aus dem Jahr 1892 führt. Die Sanierung des Bestands, der den strengen und nicht unumstrittenen Vorgaben des Denkmalschutzes zufolge in den Zustand des Jahres 1966 zurückversetzt werden soll, gehört zum Planungsauftrag.

          Nicht nur Lüscher, auch der Intendant Kosky favorisiert ganz eindeutig den Siegerentwurf. Allein dieser ist auf der Homepage des Hauses mit Abbildungen präsent, die anderen Preisträger werden nur in einem Nebensatz erwähnt. Es handelt sich um Baumschlager Eberle Architekten aus Berlin auf Platz zwei, die auf einen Solitär mit gewellter Mattglasfassade gesetzt haben. Auf dem dritten Rang folgen AFF (Berlin) gemeinsam mit Topotek 1 (Zürich). Sie gliedern wie die Sieger das Volumen in mehrere Kuben und setzen wie die Zweitplazierten auf Mattglas als vorherrschendes Fassadenmaterial.

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