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200 Jahre Jacques Offenbach : Was kann aus dem Jungen noch werden?

Die verkaufte Braut: Die Großherzogin von Gerolstein (Jennifer Larmore) ist nicht amüsiert über den rebellischen General Fritz (Dino Lüthy). Bild: Bernd Uhlig, Oper Köln

Die Kölner feiern den zweihundertsten Geburtstag des Komponisten Jacques Offenbach. Schon 1957 benannten sie den Platz vor der Oper nach ihm. Soll ein Denkmal gebaut werden?

          „Boulevard Europe“ ist der Titel der Wanderausstellung, die das Kölnische Stadtmuseum zur Feier des zweihundertsten Geburtstags von Jacques Offenbach am Donnerstag dieser Woche erarbeitet hat. Die Ausstellung zeigt kein einziges Museumsstück, besteht nur aus Plakatwänden. Das hat mit einem Malheur zu tun, das man für einen dummen Zufall halten kann: Wegen eines Wasserschadens ist das Museumsgebäude, das Zeughaus, nur eingeschränkt benutzbar.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Nun ist die Dummheit der unerschöpfliche Stoff, dem Offenbach die Sujets seiner Operetten entnommen hat, und das höhere Recht der Zufälle, die in dieser Gattung oft die Wendepunkte der Handlung markieren, besteht im Spott über die Idee, dass die Vernunft die Welt regiere. Daher muss man dem Rohrbruch im Stadtmuseum wohl einen symbolischen Sinn zuweisen, auch wenn dieses Unglück die große Tragödie des Untergangs des Stadtarchivs vor zehn Jahren lediglich im winzigen Format einer Zimmertheaterfarce wiederholte. Katastrophale Stadtgedächtnisverluste werden provisorisch überbrückt: So ist die Lage in Köln.

          Für eine Übergangszeit soll das Stadtmuseum in das Gebäude eines Modehauses für den sehr kostspieligen Bedarf einziehen, das nach 175 Jahren den Geschäftsbetrieb einstellte. Das passt dazu, dass auch die Institution, deren Ehrensache die Offenbach-Pflege sein sollte, ihren Betrieb im Offenbach-Jahr in Behelfsquartieren aufrechterhält: die Bühnen der Stadt Köln. „La Grande-Duchesse de Gérolstein“, Offenbachs Riesenerfolgsstück von 1867, wird nicht im Großen Haus am Offenbachplatz aufgeführt, sondern im Staatenhaus in Deutz. Und damit immerhin dort, wo sich 1799 Isaac Eberst niederließ, der jüdische Musiker, der sich nach seiner Geburtsstadt Offenbach nannte. Isaac Offenbach zog 1816 auf die linke Rheinseite um.

          Der lange Weg nach Westen

          „Boulevard Europe“: Für Isaacs Sohn Jacob ging die Wanderung nach Westen weiter. Der Vater schickte ihn und den älteren Bruder Juda 1833 nach Paris. Mit den Boulevards, den breiten Pariser Flanierstraßen, haben Offenbachs Stücke gemeinsam, dass sie Hoch und Niedrig zusammenführten und vermischten, im Publikum wie auf der Bühne. Jacques Offenbachs Pariser Leben spielte sich im 9. Arrondissement am Fuß des Montmartre ab, in dessen Rathaus die Kölner Ausstellung im Mai zu sehen war. Dass die Tafeln sich so gut verstauen lassen wie Theaterkulissen, macht eine Tournee mit vielen Stationen möglich. Derzeit ist die Ausstellung wieder in Köln, im Funkhaus des Westdeutschen Rundfunks.

          Von den vier Häusern, in denen Offenbach in Paris wohnte, stehen noch drei. Zerstört ist das Haus in der Rue Laffitte Nummer 11, das einem der Groß-Boulevards des Barons Haussmann im Weg stand. Als in Köln nach dem Zweiten Weltkrieg eine Schneise durch die Altstadt geschlagen wurde, legte man die neue Straße nicht für Flaneure an: Die Nord-Süd-Fahrt ist eines der Monumente der autogerechten Stadt. Sie zerschneidet, wie schon Heinrich Böll beklagte, viele Straßen, deren Alter von ihren poetischen Namen bezeugt wird. So auch den Großen Griechenmarkt.

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