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Nach der Flucht des Dirigenten : Endlich Skandal in Bayreuth

  • -Aktualisiert am

Autogramme vor der Eröffnung: Angela Merkel am 15. Juli 2015 vor dem Festspielhaus in Bayreuth Bild: dpa

Regisseur und Musikdirektor sind bedrückt, die Festspielchefin telefoniert: Keine vier Wochen vor der „Parsifal“-Premiere kündigt Dirigent Andris Nelsons seine Mitarbeit auf. Unersetzlich indes ist ein anderer Gast.

          Wir hatten gerade angefangen, uns Sorgen zu machen. Vier Wochen noch bis zur Eröffnung der Wagnerfestspiele in Bayreuth, und diese Stille. Kein Mucks. Keine schmutzige Wäsche, keine Tattoos, Schmisse, Rauswürfe, Heiserkeiten, nicht einmal eine klitzekleine Naziparole. Aber jetzt ist alles wieder gut. Jetzt ist er da, der Hügel-Skandal 2016, ein besonders prächtiger diesmal. Am Montag verließ der Dirigent der Eröffnungspremiere, Andris Nelsons, 37, das Festspielhaus, um ein paar Tage planmäßig Probenurlaub zu nehmen. Am Donnerstag war klar: Er kommt nicht wieder. Über seine Agentur ließ Nelsons ausrichten, er bitte um Auflösung seines Vertrages „for this summer’s production of ,Parsifal‘“. Kreisch! Wer wird am 25. Juli dirigieren?

          „Wir finden schon einen“, sagt der Pressesprecher der Bayreuther Festspiele, Peter Emmerich, 58. „Wir sind alle traurig“, sagt Musikdirektor, Christian Thielemann, 57, der persönlich nicht als Ersatzmann in Frage kommen will, egal, was man ihm gerade alles übel nachredet. „Bedaure sehr“, sagt „Parsifal“-Regisseur Uwe Eric Laufenberg, 55, und gibt einen Fingerzeig: Gerade der „Parsifal“ brauche viel „Einfühlung“. Festspielchefin Katharina Wagner, 38, sagt gar nichts, sie hat Besseres zu tun, sie musste sich ja „sehr schnell ans Telefon“ (Emmerich) setzen. Die trefflichste aller äsopischen Reden aber stammt von dem Abhandengekommenen selbst, der seinen Rückzug folgendermaßen begründet: er erfolge „owing to a differing approach in various matters“.

          Unterschiedliche Auffassungen in verschiedenen Angelegenheiten! Besser hätte es der Staatsrat der DDR auch nicht formulieren können. Überhaupt erinnern viele Gepflogenheiten an diesem sehr speziellen Saisonopernhaus im ehemaligen Zonenrandgebiet an den untergegangenen zweiten deutschen Staat. Man spricht hier perfekt im Konjunktiv. Man sagt lieber „man“, wenn man „ich“ meint, um das Individuum der direkten Haftbarkeit für „various matters“ zu entziehen. Man guckt einander, nach Katzenart, nicht in die Augen, auch werden Namen, zum Schutze der Benamsten, nur einmal wöchentlich öffentlich ausgesprochen, und kürzlich wurde sogar ein Schutzwall rund ums Festspielhaus errichtet, eine Sicherheitszone, wobei ausgesuchte Wachmannschaften objektiv die Grenzübergänge kontrollieren. Angela Merkel hat schon mal angekündigt, dass sie nicht zur Eröffnung kommen werde.

          Andris Nelsons Ende Mai bei einer Probe mit dem Gewandhausorchester in Leipzig

          Eine Kanzlerin ist natürlich in Bayreuth unersetzlich. Dirigenten sind es nicht. Bayreuther „Parsifal“-Einspringer, die sollten a) den „Parsifal“ drauf haben und b) vertraut sein mit den Tücken des versenkten Orchestergrabens. Und da gibt es einige. Thomas Hengelbrock zum Beispiel, Adam Fischer, Philippe Jordan, Marc Albrecht, Sebastian Weigle, Daniele Gatti ... Reihenfolge ist Rangfolge. Keine Sorge, einer wird’s machen, Läbbe gehd weida!

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