https://www.faz.net/-gqz-adtzs

Frank Castorf zum Siebzigsten : Die Bühne ist sein Schreibtisch

  • -Aktualisiert am

Sie lernten sich bei Kartoffelsuppe kennen, dann begann eine seltsame Freundschaft zwischen Schauspieler und Regisseur: Henry Hübchen mit Frank Castorf. Bild: Picture-Alliance

Erst zu spät kommen, dann ranquälen und kurz vor der Premiere zu Hochform auflaufen: Meine Jahre mit dem Regisseur Frank Castorf, der heute siebzig Jahre alt wird.

          5 Min.

          Frank Castorf wird siebzig. Na und, das ist doch nichts Besonderes. Das ist doch keine Leistung, das ist ein Zustand. Viele werden siebzig. Da kann er nichts dafür, das hat er sich nicht erarbeitet, durch einen gesunden Lebensstil zum Beispiel, im Gegenteil. Außerdem ist er nach eigener Aussage Fatalist. Es ist auch nicht die hundert, die Herbert Köfer erreicht hat – der älteste noch arbeitende Schauspieler, weltweit. Sollte Frank Castorf allerdings die hundert erreichen, dann bin ich überzeugt, dass er der älteste noch arbeitende Regisseur sein wird, weltweit, und gleichzeitig der faulste. Das ist ein Widerspruch, aber nur ein scheinbarer. Es ist eine produktive Faulheit, ein sich langsames Ranquälen an die Arbeit. Das mündet dann bei der immer wieder herausgezögerten ersten Probe in Sätzen wie: „Was wollen wir machen?“ oder: „Ich weiß nicht.“

          Das Ranquälen verkürzt natürlich die Probenzeit, weil der Termin der Premiere feststeht. Gleichzeitig ist er auch ein großer Termingarant und schon deshalb ein Liebling derAuftraggeber. Man kann an einer Hand abzählen, wie oft Frank Castorf bei seiner Massenproduktion eine Premiere verschoben hat. Da müssen schon Naturereignisse eintreten, wie gebrochene Mittelfüße oder von Affen zerfleischte Hände der Hauptdarsteller. Und dann gibt es immer noch den Rollstuhl.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Am 17. Juli in Erftstadt: Armin Laschet ist lachend zu sehen, während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein Pressestatement gibt.

          Laschet und die Flut : Das Lachen des Landesvaters

          Als das Wasser kam, wollte der Kanzlerkandidat der Union helfen, zuhören – und vielleicht auch Wahlkampf treiben. Dann wuchs der Druck und alles kam anders.