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75. Sommerliche Musiktage : Freundschaftliche Zumutungen

  • -Aktualisiert am

Herb verinnerlicht und ganz in den Werken aufgehend: Isabelle Faust in Hitzacker Bild: Musiktage Hitzacker / Kay-Christian Heine

In Hitzacker sind die Hörer schon lange an Herausforderungen gewohnt, deshalb fällt dieser Jahrgang der Sommerlichen Musiktage gar nicht so sehr aus dem Rahmen.

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          Der etwas angenagte, aber selbst bei vielen aufgeklärten Geistern immer noch wirkmächtige Zauber von Erbmonarchien und die Faszination langjährig verankerter Kulturereignisse haben ähnliche Quellen: Manchmal genügt das bloße Auf-dem-Platz-Bleiben, um Zuversicht zu verbreiten – und aktuell, wo viele gestrige Gewissheiten schon morgen zu Ramschwerten degradiert sein können, werden solche Kontinuitäten noch stärker identitätsstiftend. Ganz in diesem Sinne formen nicht mehr als drei Zeichen das Motto der diesjährigen Sommerlichen Musiktage in Hitzacker: „75!“ Wobei das Ausrufezeichen für das 1946 gegründete und damit älteste deutsche Kammermusikfestival nicht zuletzt eine Einrede gegen die Übermacht der derzeitigen Fragezeichen ist: Haben wir es bis hierher geschafft, dann machen wir auch weiter, gerade jetzt und unbedingt.

          Das Hygieneregime ist zwar rigide, beginnend mit strengen Desinfektions-Gouvernanten, gegen die der Leichtsinn keine Chancen hat. Doch dergleichen vergisst man schnell, sobald im fast vollständig verdunkelten Saal die ersten Takte erklingen. Kein ästhetischer Frontalunterricht, sondern eine Art Lagerfeuersituation mit den Interpreten in der Mitte eines in konzentrisch geordnete Sitzinseln aufgelösten Auditoriums. Da entsteht paradoxerweise gerade im erzwungenen Auseinanderrücken äußerste Intimität: Schon die nächsten Nachbarn sind nurmehr verwischte Schemen, aber man spürt sie und weiß, dass all die vielen Gegenüber mit ihren Blicken und Gedanken genauso um den zentralen Lichtkegel kreisen wie man selbst. Nebenbei lernt man dabei auch den Siebziger-Jahre-Bau des Verdo-Veranstaltungszentrums – abseits der Fachwerkschnuckeligkeit der Insel-Altstadt immer etwas gewöhnungsbedürftig – als flexible Raumhülle neu schätzen.

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