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Des Sultans Leidenschaft : Große Oper in der Wüste von Oman

Nur dass im Opernbetrieb zu Maskat, anders als in Operetten, die Kulisse nicht aus Pappe ist. Hier ist alles echt. Massiver Marmor im Foyer. Knöcheltief versinken wir in den seidigen Teppichläufern auf der breiten Treppe hoch zum Rang, wo die Sultansloge prangt. Unterwegs, im Umgang, sind in gläsernen Vitrinen abendländische Musikinstrumente ausgestellt, bizarre Raritäten, sie stammen aus der Privatsammlung des Sultans: diverse Cors de chasse aus Frankreich, aus dem 16. Jahrhundert ein reichverziertes Serpent, mit Elfenbeinintarsien geschmückte Zupfinstrumente, eine mittelalterliche Drehleier.

In den Bühnenkulissen des Royal Opera House von Oman

Massiv reich und echt sind aber auch die Ausländer im Publikum, die zu einem beträchtlichen Teil eigens für die Vorstellung eingeflogen sind, aus Abu Dhabi oder Dubai oder sonstwo aus den angrenzenden Emiraten. Mit Blattgold verziert die Teakholzbalken im orientalisch anmutenden Zuschauerraum. Und dann die originale Klais-Orgel, die auf der Hinterbühne steht, mit Teakholzprospekt. Sie hat 4542 Pfeifen, entworfen von Philipp Klais, der zurzeit in vierter Generation die Manufaktur Johannes Klais in Bonn anführt - eine der besten Orgelbaueradressen weltweit.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wird heimlich Orgel gespielt

Diese komplette, aus goldverziertem Edelholz gefertigte Hinterbühne samt der goldverzierten Königin der Instrumente kann auf Schienen nach vorn gefahren werden, dergestalt, dass sich das Königliche Opernhaus Maskat in den Königlichen Konzertsaal Maskat verwandelt, und eine der vielen Operettenlegenden, die sich um die Herrschaft des guten Sultans Qabus ranken, geht so: Manchmal komme er persönlich vorbei, um unter Ausschluss der Öffentlichkeit hier heimlich Orgel zu spielen.

Diese Legende, sagt Christina Scheppelmann, die Intendantin, sei wahr, sie habe das selbst schon erlebt. Scheppelmann ist gebürtig aus Hamburg, sie war jahrelang tätig als rechte Hand von Plácido Domingo, der Sultan Qabus 2011 dabei behilflich gewesen war, sein Traumopernhaus in Maskat zu eröffnen. Und nie würde Scheppelmann von Zensur sprechen. Im Gegenteil: Auch sie gehört jetzt zu den dankbaren Untertanen, die das Lob des Sultans singen. Aus fast jeder Frage, welche die Gäste ihr stellen, hört sie eine westlich-chauvinistische Respekt- oder zumindest Ahnungslosigkeit heraus gegenüber dieser fabelhaft weltoffenen, toleranten omanischen Kultur.

Chordirektor und Dirigent aus der Deutschen Oper Berlin proben im Opernhaus von Oman für die Aufführung von „Manon Lescaut“

Statt zu antworten, stellt sie Gegenfragen. Zum Beispiel: Geht es denn etwa in Deutschland in der Oper allezeit demokratisch und tolerant zu? Wie viele Intendantinnen gibt es in Deutschland derzeit? Ist nicht die islamische Frau durch ihren Einfluss innerhalb der Familie sehr viel mächtiger und einflussreicher, als es den Frauen im christlichen Abendland vergönnt ist, bis heute? Nach Auffassung von Scheppelmann hat „His Majesty“ ein Recht darauf, nur solche Aufführungen in seinem Opernhaus zu sehen, die er sehen will. Wer zahlt, der mahlt. Und in diesem Punkt hat sie ganz recht: Das ist in Oman nun wirklich kein bisschen anders als in der westlichen Welt.

Das einzige Opernhaus auf der Arabischen Halbinsel

Sultan Qabus ibn Said al Said, der dieses vorwiegend aus Wüste und Küste gefügte Piraten- und Beduinenland innerhalb von nur einer Generation aus der tausendundersten Nacht in die Moderne gebeamt hatte, bezahlte das vor drei Jahren eröffnete Luxusopernhaus aus seiner Privatschatulle. Es ist das einzige Opernhaus auf der gesamten Arabischen Halbinsel. Man sagt, es habe eine Milliarde Dollar gekostet. Andere sagen, es seien fast zwei Milliarden gewesen. Teurer als die Große Sultan-Qabus-Moschee darf dieser Tempel westlicher Hochkultur auf gar keinen Fall gewesen sein, ansonsten würde „His Majesty“ noch mehr Ärger mit dem Imam von Oman kriegen oder mit den arabischen Nachbarstaaten, als er ihn sowieso schon hat.

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