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Bayreuth Baroque : Psychologie des Ornaments

Das Markgräfliche Opernhaus kurz vor Eröffnung des „Bayreuth Baroque“-Festivals Bild: dpa

Bayreuth hat neue Opernfestspiele. Max Emanuel Cenčić hebt im Markgräflichen Opernhaus „Bayreuth Baroque“ aus der Taufe. Der Start gelingt umwerfend gut und verheißt für die Zukunft Großes.

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          Der Intendant empfängt im Sonnentempel des Schlosses Eremitage zu Bayreuth: Max Emanuel Cenčić, im rosa Sakko mit rosa Krawatte überm geblümten Hemd, eine Dose mit Halspastillen stets zur Hand, begrüßt die Journalisten aus Deutschland und Frankreich zum Mittagessen unter goldverzierter Kuppel, durch deren Oberlichter der blaue Septemberhimmel schimmert – Audienz bei Fürst Max Emanuel, dem Prachtliebenden.

          Jan Brachmann
          Redakteur im Feuilleton.

          Doch die Flamboyance seiner Kleidung wie jene des Ortes kontrastieren rührend mit der Scheu seiner Haltung, den vollendeten Manieren, dem Zögern seiner Stimme. Wir sprechen alle überwiegend Französisch miteinander. Cenčić, in Zagreb geboren, als Wiener Sängerknabe groß geworden, heute einer der führenden Countertenöre der Welt, beherrscht die Sprache mühelos. Mit äußerster Gewandtheit erzählt er den Gästen von der Geschichte des Markgräflichen Opernhauses, das Wilhelmine von Bayreuth, Schwester des preußischen Königs Friedrich II., hat bauen lassen und das immer schon so sehr als Kleinod galt, dass man während der Pogromnacht 1938 darauf verzichtete, die Synagoge abzufackeln: Man fürchtete den Übergriff der Flammen auf das Theater. Ein irres Aneinander von Kultur und Barbarei.

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