https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/der-tanz-ist-zurueck-auf-der-buehne-und-trotzdem-in-der-krise-18113015.html

Tanz in der Krise : Verleugnet und vergessen

  • -Aktualisiert am

Aurelie Dupont und Hervé Moreau in einer Aufführung von „Roméo et Juliette“ in der Regie von Sasha Waltz Bild: Archiv

Das Erbe der Vergangenheit verspielt, die Gestaltung der Zukunft vertändelt: Die gegenwärtige Lage des Tanzes ist desolat.

          5 Min.

          Der Tanz ist kaum zurück auf der Bühne, da werden Premieren und Folgevorstellungen abgesagt, weil Erkrankungen in den Ensembles um sich greifen. Choreographen können nicht proben, Tänzer müssen in Quarantäne statt ein lang entwöhntes Publikum daran zu erinnern, wie schön es ist, dem kinästhetischen Sinn die Führung in der synästhetischen Wahrnehmung zu überlassen und die Begegnungen und Berührungen des Tanzes zu erleben, als wären es die eigenen. Auch füllen sich die Reihen vielerorts nur zögernd.

          In diesem Moment als Ballettdirektorin der Pariser Oper zu kündigen, wie es Aurélie Dupont nun getan hat, mag dem ersten Blick verständlich erscheinen. Zweieinhalb von sechs Jahren ihrer Direktion seit 2016 waren Corona-Jahre, und wie das Virus und seine Mutanten im nächsten Herbst unser Ausgehverhalten beeinflussen werden, ist unklar, aber es sieht nicht gut aus. Für große Ballettcompagnien ist eine solche Lage verheerend. Die Langzeitplanung über zwei bis fünf Jahre hinweg ist schwierig, wenn nicht unmöglich. Proben und Premieren verschieben sich oder fallen aus. Das Publikum ist verunsichert. Dem Ensemble fehlen Kontinuität und klare Ausrichtung. Andererseits ist es beinahe unanständig, in einer solchen Lage eine Compagnie zu verlassen. Mit einer lancierten Bemerkung aus Duponts Umfeld, der zufolge die Neunundvierzigjährige stets geplant habe, die Institution, die ihr Leben von Kind an bestimmt hatte, vor ihrem fünfzigsten Geburtstag zu verlassen, ist das nicht erklärt oder entschuldigt.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Videokonferenz zwischen Joe Biden und Xi Jinping im November 2021.

          China und Amerika : Ist ein Krieg noch zu vermeiden?

          Ob und wie sich der Wettkampf der Systeme kontrollieren lässt, wird öffentlich bislang kaum debattiert. Der Weckruf des ehemaligen australischen Premierministers Kevin Rudd ist angesichts der Taiwankrise aktuell wie nie.
          Satellitenbilder zeigen die Zerstörung nach einem Angriff auf den russischen Militärstützpunkt Saki auf der Krim

          Nach Explosionen auf der Krim : Moskaus Angst vor den Ukrainern

          Die russischen Flugzeuge könnten nach dem Angriff auf der Krim zurückgezogen werden. Kiew äußert sich zurückhaltend. Ist das ein Mittel der Kriegspsychologie?