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Rechte Gesinnung in der Musik : Der Kollaborateur am Klavier

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Nach links geht der Griff, nach rechts schweift der Blick: der Pianist und Barrès-Bewunderer Alfred Cortot. Bild: Bridgeman

Blut, Wollust und Tod als politische Poesie: Alfred Cortot hätte als großer Pianist in Erinnerung bleiben können. Aber er stellte sich in den Dienst des Okkupationsregimes in Frankreich. Die Franzosen haben ihm das lange nicht verziehen.

          Einer der einflussreichsten Musiker in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts war Alfred Cortot, ein charismatischer Protagonist der großen französischen Klaviertradition. Berühmt wurde er denn auch in erster Linie als Chopin-, auch Schumann-Interpret von höchster Individualität, Entschiedenheit und Finesse, von Virtuosität wie Sublimierung. 1877 in der Schweiz geboren, stand er noch für das neunzehnte Jahrhundert, die Romantik, die deutsche wie die französische, die „schwarze“, rückwärtsgewandt, die aber auch fruchtbar für die Moderne wurde. Natürlich kennt man Cortot primär als Pianisten, doch war er weit mehr. Nicht ohne Grund steht auf seinem Grabstein lakonisch nur „musicien“, also Musiker: Er war Komponist, Dirigent, Lehrer, Gründer, Schriftsteller, Herausgeber, ja Kulturpolitiker – also eher ein Universalkünstler in der Nachfolge Mendelssohns, Liszts und Busonis, darin nicht zuletzt janusköpfig. Auf jeden Fall alles andere als ein klavieristischer „Fachidiot“.

          Denn trotz eklatantem Virtuosennaturell und prestigeträchtigen ersten Preisen wollte er sich zunächst nicht mit dem Metier des Klaviers begnügen, hießen seine Idole nicht nur Frédéric Chopin und Robert Schumann, sondern auch Richard Wagner. Schon 1896 gelangte er nach Bayreuth als Korrepetitor, beeindruckte Cosima Wagner und wurde in deren engeren Kreis aufgenommen. Sein Ehrgeiz ging aufs Dirigieren, selbstverständlich vor allem Wagnerscher Hauptwerke. In Paris leitete er die Oper „Tristan und Isolde“ und sogar die französische Erstaufführung der „Götterdämmerung“. Nicht ohne Ironie meinte Cortot später, um die Schulden seiner Unternehmungen zu begleichen, sei er zum Konzertieren gezwungen gewesen.

          Cortot konnte unvergleichlich den Flügel singen lassen. Das Ohr des Komponisten und Dirigenten förderte auf dem Klavier paraorchestrale Perspektiven und Farben zutage. Eine seiner Großtaten als Schumannianer war, als einer der Ersten die fünf Appendix-Variationen in die „Sinfonischen Etüden“ op. 13 aufgenommen und ihnen magische Raumtiefe verliehen zu haben im Sinne von Schumanns fiktiver Personalisierung seiner lyrisch-verträumten Seite in der Figur des Eusebius.

          Die Empathie wurde ihm zum Verhängnis

          Verglichen mit dem zehn Jahre jüngeren Artur Rubinstein blieb er bei der Musik Chopins stärkerer Subjektivität verhaftet, und seine Rubato-Künste frappierten immer wieder; mehr noch allerdings seine agogischen Freizügigkeiten und die Grundsatzzweifel gegenüber a priori konstanten Tempi, die er mit Gustav Mahler, Enrico Caruso, Wilhelm Furtwängler und Willem Mengelberg teilte. Furtwängler stand er nahe: Ein schönes Foto zeigt beide beim Vierhändigsspiel. Legendär wurde Cortots schon 1905 formiertes Trio mit dem Geiger Jacques Thibaud und dem Cellisten Pablo Casals. Ihre Aufnahmen aus den zwanziger und dreißiger Jahren sind Inkunablen instrumentaler Beredtheit und phantasievollen Schwungs. Mit beiden Partnern hat der Dirigent Cortot Brahms’ Doppelkonzert aufgenommen, selbst in deutschen Programmen nicht eben epidemisch.

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