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Der Tschaikowsky-Wettbewerb : Spielt das Orchester ein anderes Stück, muss der Pianist schnell reagieren

  • -Aktualisiert am

Sieger in der Königsdisziplin Geige: Sergey Dogadin (links) Bild: Alex Shapunov

.Punktgenaue Höchstleistungen, aber auch umstrittene Jury-Entscheidungen beim Tschaikowsky-Wettbewerb, den Olympischen Spielen für junge Virtuosen

          Der Internationale Tschaikowsky-Wettbewerb, das vielleicht größte, bedeutendste Kulturereignis Russlands, findet alle vier Jahre statt, wird aber nicht nur deswegen auch die Olympiade der Musik genannt. Der 16. Wettbewerb, der soeben zu Ende ging, hielt auch diesmal eine über die ganze Welt verstreute Fangemeinde einen Monat lang in Atem. Fünfzehn Millionen Musikliebhaber erlebten die Internetübertragungen von Medici TV mit – eine Rekordzahl, die das Internet vorübergehend kollabieren ließ. Dieser musikalische Wettstreit, der seit 2011 von dem Chefdirigenten und Intendanten des Petersburger Mariinsky-Theaters, Valery Gergiev, geleitet wird, sollte Russland von seiner besten Seite zeigen, mit fairen und transparenten Entscheidungen und in vorzüglichen Lokalitäten. Alles wurde filmisch begleitet, was die jungen Wettbewerbsteilnehmer nicht wenig belastete.

          Insgesamt waren 231 Teilnehmer aus 35 Ländern angereist, die sich den Herausforderungen an ihre Leistungsfähigkeit und künstlerische Qualifikation stellten. Zu den Disziplinen Klavier, Geige, Cello und Gesang waren erstmals zwei weitere hinzugekommen: Holzbläser, also Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, sowie Blechbläser mit Horn, Trompete, Posaune und Tuba. Das dürfte als Anreiz gedacht sein, das Interesse des musikalischen Nachwuchses an diesen Instrumenten zu fördern, gerade in Russland, wo es in den Bläserfächern an international konkurrenzfähigen jungen Musikern fehlt. Das allgemeine Niveau war erfreulich hoch.

          Ein wichtiger Faktor, der das Unternehmen mit trägt und der Veranstaltung ihre lebendige, spannende Atmosphäre verleiht, ist das Publikum. Es begeistert sich für die Musiker, motiviert sie, zürnt aber auch heftig über manche Jury-Entscheidungen. Das geschah, als die Sieger in den Fächern Violoncello und Gesang gekürt wurden, die in wunderbaren Konzertsälen von Sankt Petersburg, beispielsweise dem Kammermusiksaal der Philharmonie, aufgetreten waren. Der absolute Publikumsliebling war die russische Cellistin Anastasia Kobekina, deren besondere lyrische Begabung vor allem im Cello-Konzert von Edward Elgar einen Reichtum der Ausdrucksnuancen und eine Spannung hervorbrachte, die von höchster Reife zeugten. Doch Kobekina erhielt nur den dritten Preis. Den Sieg errang der Amerikaner Zlatomir Fung mit makellosem, aber auch etwas gleichgültigem Spiel, während der lebendige, emotional aufgeschlossene Kolumbianer Santiago Cañón Valencia, der in seinem Auftreten fast wie ein Rockmusiker wirkte, den zweiten Preis bekam.

          Der Gesangswettbewerb hinterließ den insgesamt schwächsten Eindruck. Preiswürdige, überzeugende Leistungen waren nur von Männern zu hören, so von dem griechischen Bass Alexandros Stavrakakis oder von dem herrlichen koreanischen Bariton Gihoon Kim. Beide singen in Ensembles an den deutschen Opernhäusern Dresden und Hannover.

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