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Iffland-Nachlass : Ganz großes Berliner Theater

Gehorsamster Diener: Ifflands Signatur Bild: dpa

Der Nachlass des legendären Theatermannes August Wilhelm Iffland ist heute Morgen nach Berlin zurückgekehrt. Er galt seit Kriegsende als verschollen, bis er auf einer Auktion wieder auftauchte. Ein Drama mit glücklichem Ausgang,

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          Um 14 Uhr fuhr der Lastwagen am Dienstag in Wien los mit seiner kostbaren Fracht, dem dramaturgischen Archiv und den Verwaltungsakten des berühmten Theaterprinzipals Iffland. Um acht Uhr am Mittwoch kam er an in Berlin, und zum ersten Mal seit siebzig Jahren war er hier nun  leibhaftig anzuschauen: 34 Bände in sehr gutem Zustand, was angesichts der flamboyanten Räuberpistole seines Verkaufs durch den pensionierten Theaterhistoriker Hugo Fetting ein zweites Wunder ist.

          Regina Mönch
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Berlin, vertreten durch den Rechtsanwalt Peter Raue, musste zudem nicht wie befürchtet eine halbe Million Euro zahlen. Das Antiquariat Inlibris und die Stadt einigten sich gütlich, auf Zahlung von 15.000 Euro an den Händler, der „unter Beibehaltung unterschiedlicher Rechtspositionen“ in eine „unwiderrufliche Schenkung“ einwilligte.

          Als der seit Jahrzehnten verschollene Iffland-Nachlass im Januar plötzlich wieder auftauchte, war das eine Sensation. Das Wiener Antiquariat bot ein Konvolut aus Tausenden von Briefen, Verträgen, Notizen und Theater-Akten in 34 Bänden im Katalog der feinen Ludwigsburger Buchmesse „Antiquaria“ an, für eine halbe Million Euro. Angekauft hatte der Händler die Akten des legendären Theatermannes der Berliner Klassik, August Wilhelm Iffland ((1759 bis 1814) , für 50.000 Euro. Und hier begann der, zurückhaltend formuliert, dubiose Teil der aufregenden Geschichte. Denn der Einlieferer behauptete auch, der Eigentümer zu sein. Ein Berliner Theaterhistoriker und langjähriger Mitarbeiter der Akademie der Künste wollte das Konvolut gerettet haben, 1949 aus den Ruinen der Berliner Staatsoper.

          Prinzipalster Thetareprinzipal: August Wilhelm Iffland lebte von 1759 bis 1814
          Prinzipalster Thetareprinzipal: August Wilhelm Iffland lebte von 1759 bis 1814 : Bild: dpa

          Eine unwahrscheinliche Geschichte, denn die Bände sind in einem guten Zustand,  was sie aber nach Jahren in prekären Ruinenverhältnissen kaum gewesen sein dürften. Einen Finderlohn, den die Akademie der Künste zahlen wollte, als ihr der Schatz angeboten wurde, schlug der „Retter“ aus und verkaufte ihn später nach Wien. Die Rechtsnachfolge des Konvoluts, das in den Wirren der letzten Kriegsmonate verschwand, war eigentlich nie umstritten: Es gehörte zum Berliner Theatermuseum und nach dessen kriegsbedingter Auflösung dem Landesarchiv Berlin.

          Dorthin kehrt es nun zurück. Gemeinsam mit der Akademie der Wissenschaften Berlin-Brandenburg, die seit Jahren die der Weimarer ebenbürtige Zeit der Berliner Klassik erforscht, wird der Schatz umgehend erschlossen und digitalisiert. Rechtzeitig, möchte man sagen, denn der Todestag des Gründers des Nationaltheaters jährt sich im September zum 200. Mal.

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