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Der Hügel als Schwestern-Projekt : Vaters Dreamteam

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Das Team und der Mythos: Katharina Wagner, ihre Schwester Eva Wagner-Pasquier und der gemeinsame Vater Wolfgang Bild: David E. Smith

Die Wagner-Schwestern haben einen leichten Job - und machen ihn meistens gut. Ein Blick auf die familiäre Festspielpraxis von Bayreuth.

          Da sitzen sie wieder an einem Tisch, morgens, am Festspieleröffnungstag, und schweigen wortreich die Presse an. Stehen zusammen am roten Teppich, schön geschmückt, lächelnd. Mit Katharina und Eva Wagner, den Halbschwestern aus Bayreuth, ist es wie mit dem Selenicereus grandiflorus, dem legendären Mondkaktus im Botanischen Garten. Der blüht auch nur wenige Stunden pro Jahr. Und da naturgemäß nur wenige auserwählte Augenzeugen bei diesem exklusiven Ereignis dabei sind, bilden sich leicht dumme Gerüchte.

          Der Duft der Kaktusblüte soll nicht ungefährlich sein. Die künstlerischen Leiterinnen der Bayreuther Festspiele sollen verwirrt, ungeschickt, unfähig, gescheitert, entzweit und inkompetent sein. Und nie sieht man sie zusammen! „Ja, wo sind denn die Schwestern?“ fragt der „Nordbayerische Kurier“, und beschriftet anklagend das Foto: „Nur kurz treten sie unters Königsportal.“ Nach außen spricht immer nur Katharina, immer nur das Allernötigste. Sie ist jetzt 34 Jahre alt. Irgendwo unsichtbar drinnen werkelt die 64 Jahre alte Eva. Aber woran? Jetzt ist Halbzeit für die beiden. 2015 läuft ihr Vertrag aus. Vor drei Jahren und neun Monaten sind sie angetreten, um die künstlerische Leitung der Bayreuther Festspiele zu übernehmen, als Nachfolgerinnen ihres Vaters, Wolfgang Wagner.

          Dynastischer Friede als Überraschung 

          Ein unglaubliches Gezerre und Gezeter war das damals. Blättern wir zurück in den Annalen, wird uns ganz schwindlig im Kopf von all dem Durcheinander auf dem Bewerbungskarussell, ja, man hält einen so wilden Wechsel von Koalitionen innerhalb einer Familie heute gar nicht mehr für möglich. Schließlich: Eva und Kathi - Vaters Dreamteam. Das war’s.

          Nicht zu vergessen: das Wunder der großen Versöhnung, der urplötzlich ausbrechende dynastische Friede. Katharina Wagner, Tochter aus zweiter Ehe von Wolfgang Wagner, und Eva Wagner-Pasquier, Tochter aus erster Ehe Wolfgang Wagners, hatten sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht mal persönlich gekannt. Mit einem Male waren sie einander richtig grün, fast wären sie sogar gemeinsam in Urlaub gefahren.

          Folgen einer Scheidung

          Eine geborene Wagner hat keine Wahl, ihr wird das Festspiele-Leiten sozusagen in die Wiege gelegt. Bei diesen Genen, mit dieser Geschichte im Rücken, kann eine Urenkelin von Richard Wagner und Ururenkelin von Franz Liszt nicht einfach Jura studieren oder Betriebswirtschaft, Floristin werden oder Ärztin. Es muss schon was mit Wagner sein. Als Kinder spielten beide in den Kulissen im Festspielhaus, nur nicht zur gleichen Zeit - da lagen gut dreißig Jahre dazwischen. Und wurden wie Kronprinzessinnen erzogen.

          Eva, Tochter von Wolfgang Wagner und seiner ersten Frau Ellen, erinnert sich, dass sie noch sehr klein war, als sie schon neben den Eltern in den Vorstellungen saß: „Aber es war immer ein Spaß.“ Lernte Zitherspielen, besuchte das musische Gymnasium, eine Haushaltsschule am Starnberger See und kehrte mit 21 Jahren dann zurück auf den Grünen Hügel, um dem Vater zu helfen im Festspielbüro. 1976 ließen ihre Eltern sich scheiden, der Vater nahm sich eine Jüngere, nämlich die langjährige Pressesprecherin Gudrun Mack, und weil die sanfte, moralische Eva sich, wie ihr Bruder Gottfried, in diesem Fall auf die Seite der Mutter schlug, wurden beide Kinder vom Vater vor die Tür gesetzt.

          Eva Wagner machte also anderswo Karriere als Theatermanagerin, sie wurde die ideale Vizedirektorin. Am Opernhaus in London, in Houston, an der Bastille-Oper in Paris, beim Festival in Aix-en-Provence. Heiratete einen Franzosen, bekam einen Sohn. Der sah seinen Großvater zum ersten Mal, als er 13 war, und zwar von weitem, im Festspielhaus. Ob er den fremden Herrn da mit „Herr Wagner“ ansprechen solle oder mit „Opa“, fragte der junge Antoine Pasquier. Das ist nur eine von vielen fürchterlichen kleinen Anekdoten, die es zu erzählen gibt aus dem traumatischen Familienleben der Wagners.

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