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Initiative von Monika Grütters : Bund will freie Ensembles und Orchester retten

Monika Grütters (CDU) will die Vielfalt von Deutschlands Musiklandschaft retten. Bild: dpa

Kulturstaatsministerin Monika Grütters stellt 5,4 Millionen Euro zur Stützung freier Ensembles und Orchester zur Verfügung. Das ist eine wichtige Maßnahme, sie allein reicht aber nicht aus.

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          In Deutschlands Musikleben gibt es etwa dreißig professionelle Ensembles und Orchester, die sich überwiegend selbst finanzieren und nicht den Großteil ihres Etats von der öffentlichen Hand erhalten. Das Ensemble Modern, das Ensemble Resonanz, die Musikfabrik Köln gehören dazu, aber auch das Freiburger Barockorchester, die Akademie für Alte Musik Berlin, die Capella della Torre oder die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen. Ihre künstlerische Exzellenz ist unbestritten und international anerkannt. Aber gerade diese Klangkörper sind von der vollständigen Aussetzung aller Konzertveranstaltungen besonders hart betroffen. Dem Ensemble Modern entstand durch die Absagen Mitte März, die vor allem die Tournee nach Berlin, Köln und Hamburg mit Gérard Griseys Zyklus „Les espaces acoustiques“ betrafen, ein Schaden von einer Viertelmillion Euro. Bis jetzt beläuft sich dessen Defizit bereits auf eine halbe Million Euro.

          Jan Brachmann
          Redakteur im Feuilleton.

          Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters will unbedingt die „Vielfalt unserer einzigartigen Musiklandschaft sichern“ und hat – innerhalb der engen Grenzen ihres kleinen Etats und ihrer kulturhoheitlichen Zuständigkeit – ein Soforthilfeprogramm für freie Orchester und Ensembles auf den Weg gebracht. Sie stellt 5,4 Millionen Euro zur Verfügung, um „künstlerisches Arbeiten trotz der Corona-Pandemie zu ermöglichen“. Das Soforthilfeprogramm laufe bis Ende des Jahres 2020 und richte sich an professionelle Orchester und Ensembles mit Sitz in Deutschland. Voraussetzung sei, dass die Projekte der Antragsteller im Inland durchgeführt und die Projektorchester und Klangkörper nicht überwiegend öffentlich finanziert würden.

          Bis zu 200.000 Euro könnten die Antragsteller erhalten. Ein Schwerpunkt des Programms liege auf der Förderung von Präsentations- und Vermittlungsformaten, die in Reaktion auf die besonderen Bedingungen der Pandemie entwickelt werden. Das heißt aber nicht, dass alle jetzt Livestreams und Online-Präsentationen entwickeln müssten. Das Förderprogramm sei, so teilte das Bundeskulturministerium auf Nachfrage dieser Zeitung mit, bewusst offen formuliert, um mehr als ausschließlich digitale Projekte zu ermöglichen.

          Die Staatsministerin für Kultur ist nicht befugt, plötzlich Betriebskosten oder institutionelle Förderung von Ensembles zu übernehmen. Sie kann nur versuchen, die Qualität der Klangkörper und deren Arbeitsfähigkeit zu unterstützen. Aber wenn jetzt kreative Formate entwickelt werden, die sich mit den Konsequenzen der Corona-Pandemie für das kulturelle Leben und den globalen Kulturaustausch auseinandersetzen, kann das auch den laufenden Betrieb der Ensembles stützen.

          Christian Fausch, der Geschäftsführer des Ensemble Modern, begrüßt die Initiative von Monika Grütters: „Das Ideelle an dieser Initiative ist allein schon unglaublich wichtig. Ich freue mich total über das politische Bekenntnis zu unserer Szene.“ Und 200.000 Euro seien aus seiner Sicht auch mehr als nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein, sondern „eine stattliche Summe, die substantiell hilft“.

          Gleichwohl kann dieses Hilfsprogramm nur ein Mittel sein, um in der akuten Phase die Not der Freien etwas zu lindern. Und es ist dabei aus Sicht der Betroffenen nicht mehr als ein Baustein. Schon vor Wochen hatte Tobias Rempe, Geschäftsführer des Ensemble Resonanz und Vorsitzender des Vereins Freo (Freie Ensembles und Orchester), gemeinsam mit dessen Vorstand einen Brief an die Kulturstaatsministerin geschrieben, in welchem er neue Verfahrensregeln im Zuwendungsrecht und die Zuwendungsfähigkeit von Ausfallhonoraren anmahnte. „Es wäre sehr hilfreich, wenn der Bund klarstellen würde, dass Ausfallhonorarzahlungen für Leistungen im Zusammenhang mit in der Corona-Krise abgesagten Veranstaltungen auch auf Bundesebene im Grundsatz zuwendungsfähig sind und dafür klare Verfahrensregeln herausgäbe“, heißt es am Ende des Schreibens.

          Christian Fausch vom Ensemble Modern, das dem Verein Freo ebenfalls angehört, betont, dass die Frage der Ausfallhonorare für die freien Ensembles ebenso wie für die verpflichteten Solisten und Dirigenten ganz akut und existentiell sei. Für die Zeit nach dem Abflauen der Pandemie müsse man allerdings grundsätzlich darüber nachdenken, das Zuwendungsrecht zu reformieren, damit es freien Ensembles – übrigens auch Festivals – möglich sei, Rücklagen für derartige Notfälle bilden zu können. Bislang ist das nicht gestattet.

          Monika Grütters hatte in der vergangenen Woche Gespräche über eine Neuregelung zur Zahlung von Ausfallhonoraren angekündigt (F.A.Z. vom 25. April). Doch sie kann diese Entscheidung nicht allein treffen; hier müssen Länder, Kommunen, Sozial- und Finanzministerium gemeinsam mit ihr eine Lösung finden.

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