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Forscher und Sammler : Aus Liebe zu Brahms

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Schloss Altenstein in Thüringen beherbergt große Teile der Brahms-Sammlung von Renate und Kurt Hofmann. Bild: Jan Brachmann

Kurt Hofmann hat die Forschung auf eine solide Datenbasis gestellt, ein eigenes Institut mitbegründet und die wichtigste private Sammlung zum Komponisten aufgebaut. Jetzt wird er neunzig Jahre alt.

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          Wie der Name Köchel mit Mozart, so ist der Name Hofmann mit Brahms verbunden. Jeder Brahms-Enthusiast weltweit kennt das legendäre Bibliotheks-Verzeichnis, die Zeittafel zu Leben und Werk oder auch das Verzeichnis der Konzerte. Dabei ist der Name Hofmann doppelt zu denken: Renate und Kurt Hofmann arbeiten seit den Achtzigern gemeinsam am Erbe von Johannes Brahms, gründeten auf Basis ihrer Privatsammlung 1990 das Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck und sind im Leben und ihrer Passion für Brahms verbunden.

          Angefangen hat alles 1953, als Kurt Hofmann in Hamburg der Alt-Rhapsodie von Brahms lauschte. Wer ihn davon berichten hört, erlebt eine erinnerte Erweckung: Wie sonst nur selten hält er dann beim Sprechen über Brahms inne. Denn für gewöhnlich hüpft ihm der Enthusiasmus aus jeder Pore; da wird rasch hierhin gewirbelt und dorthin gezeigt, gelacht, geschäkert und über den nächsten schusseligen Antiquar geschmunzelt, der Brahms’ nicht von Schuberts Handschrift unterscheiden konnte. Aber der Gedanke an die ersten Brahms-Klänge für den Zweiundzwanzigjährigen in der grauen Nachkriegszeit löst auch in der Wiederholung immer wieder eine Generalpause aus.

          Kurt Hofmann
          Kurt Hofmann : Bild: Mathias Brösicke

          Komponiert über ein Fragment aus Goethes „Harzreise im Winter“, war die Alt-Rhapsodie der Beginn von Kurt Hofmanns eigener Reise zu Brahms. Das Sammeln fing klein an und überholte bald den Sammler, der im Walter Benjamin’schen Modus des „Ramasseurs“ alles zusammentrug, worauf „Brahms“ stand: Autographe, Briefe, Fotos, Konzertprogramme, Albumblätter, Plastiken und reihenweise Reliquien von der Haarlocke bis zum Federkiel. Waren Brahms’ Erstdrucke komplett, wurden jene des Mentors Robert Schumann gesammelt, komplett, versteht sich. Dann kamen die Nachlässe der Brahms-Freunde an die Reihe. Kein Antiquar war vor ihm sicher, sagt Kurt Hofmann, einige mussten in weinselige Laune gebracht werden, bis der Preis stimmte. Viele kannten sich nicht aus im Niemandsland seltener Musikhandschriften und halfen dennoch bei der Suche.

          Manch ein Sammler mit solchen Schätzen hätte sich eingeschlossen daran gefreut. Nicht die Hofmanns. Sie sorgten mit der Gründung des Brahms-Instituts für eine Konsolidierung der wissenschaftlichen Erforschung bis hin zur Organisation von Ausstellungen, Konzerten und Tagungen. Auch publizierten sie seit 1973 sorgfältig am Material recherchierte Standardwerke. Erst jüngst haben Renate und Kurt Hofmann „Johannes Brahms beim Wort genommen“, eine umfangreiche Sammlung von Zitaten des Komponisten vorgelegt. Niemand sonst wäre dazu imstande gewesen. Gleichzeitig hört das Sammeln niemals auf: Seit 1990 tragen die Hofmanns alles um und für Schloss Altenstein zusammen, Brahms’ späte Liebe in Thüringen, wo er sich beim Spazierengehen Melodien einfallen ließ. Ein kleines Brahms-Museum ist schon errichtet. Und wer durch den romantischen Altensteiner Park flaniert und an der Fohlenwiese stoppt, findet dort eine „Hofmann-Bank“. Sie lädt zur Rast ein, ehe die Reise weitergeht. Heute wird Kurt Hofmann neunzig Jahre alt.

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