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Bass-Bariton wird 80 : Dem Schurken eine Seele geben

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Immer sehr entschieden: Siegmund Nimsgern (links) am 11. Juni 2012 in der Universität Saarbrücken bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde an den Tenor José Carreras (rechts). Bild: Picture-Alliance

Als Wagner-Sänger wurde er berühmt, doch hat er viel mehr Bach gesungen in seinem Leben. Bewundern aber muss man Siegmund Nimsgern dafür, wie er zwiespältige, boshafte Charaktere ganz in Gesang zu überführen versteht. Heute wird er achtzig Jahre alt.

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          Wie kann und soll sich die Mordlust eines Dämons „aussprechen“, der seinem sterbenden Opfer in letzter Stunde seinen Triumph ins Ohr schreien will: Pizarro in Ludwig van Beethovens „Fidelio“. Singend aussprechen! Siegmund Nimsgern gehörte zu den wenigen, der dem „gnostischen Satan“ (Ernst Bloch) die klangliche Physiognomie einer hässlichen Seele zu geben verstand: Wut-brüllend beim Crescendo-Beginn und erregt keuchend, wenn er sich die Qualen ausmalt, die er seinem Opfer zufügen will, ohne dabei die misslichen Mittel naturalistischer Affekt-Simulation zu gebrauchen.

          Der im saarländischen St. Wendel geborene Siegmund Nimsgern hatte Germanistik und Musikwissenschaft studiert, bevor er mit dem Gesangsstudium bei Jakob Stämpfli und Paul Lohmann begann. 1965 gewann er den Gesangswettbewerb von s‘ Hertogenbusch und gab alsbald sein Debüt als Konzertsänger. 1967 debütierte er in Peter Tschaikowskys „Jungfrau von Orleans“ in Saarbrücken. Zwischen 1971 und 1974 gehörte er zum Ensemble der Deutschen Oper am Rhein. Als Amfortas in „Parsifal“ hatte er große Erfolge in London (1973) und Paris (1974). An der Metropolitan Opera stellte er sich 1978 als Pizarro vor.

          Seit 1983 sang er in Bayreuth unter Georg Solti mit Wotan eine Partie, zu der seine Stimme physiognomisch wohl nicht so gut passte wie zu den ambivalenten und zwiespältigen Charakteren: zu Alberich, Telramund und Klingsor oder auch einem geheimen Vorbild dieser Figuren: Lord Ruthven in Heinrich Marschners „Der Vampyr“ – in jenem schwarzromantischen Schauerstück, dessen Protagonist das Glück im Verbrechen, als Ineins von Liebe und Zerstörung, findet. Er überzeugte in diesen Partien insbesondere durch die Kunst des Sprachgesangs – der markanten, artikulatorisch ausgefeilten Deklamation bei Wahrung des musikalischen Tons.

          Zu seinen wichtigsten italienischen Rollen gehörten Giuseppe Verdis Macbeth und Jago. Als Scarpia in „Tosca“ wurde er in Chicago als der beste Sänger nach Tito Gobbi gerühmt, mit dem er den Part einstudiert hatte. Zu seinem immens großen Repertoire gehörten weiter Barak (Die Frau ohne Schatten) und Mandryka (Arabella), Bergs Wozzeck und Bartóks Blaubart, den er in der Aufnahme unter Pierre Boulez gesungen hat, der Großinquisitor in Boris Blachers Oratorium, sodann die Titelpartien in George Enescus „Oedipe“ und in Ernest Chaussons „Le Roi Arthus“.

          Seine Diskographie zeugt von seiner Vielseitigkeit und Könnerschaft. Musik von Johann Sebastian Bach hat, wie er selber betonte, öfter gesungen als jene von Richard Wagner: die „Matthäus-Passion“ unter der Leitung von Karl Richter und Helmuth Rilling wie das Weihnachtsoratorium unter Nikolaus Harnoncourt, dazu viele Kantaten; Joseph Haydns „Die Schöpfung“ unter Georg Solti; geistliche Musik von Gabriel Fauré und Maurice Duruflé sowie Vokal- und Chorwerke von Gustav Mahler und Arnold Schönberg. Heute feiert Siegmund Nimsgern seinen achtzigsten Geburtstag.

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