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Denkmalschutz : Ein barbarischer Akt

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Dies ist ein Saal, in dem jeder zu jedem gelangen kann. Die Bühne ist ein wenig schräg gelagert, die Orgel, deren von Wolske entworfener Prospekt raffiniert mit verschiedenen Pfeifenmaterialien spielt, bringt sich von links ins Spiel. Auf die Akustik hat man bei der Erbauung der Beethovenhalle viel experimentelle Geduld verwendet.

Man redet das Bauwerk schlecht

Das Ergebnis ist hoch achtbar: Auf den meisten Plätzen hört man gut bis sehr gut, einzig ganz rechts und ganz vorne verfehlen Teile des Klangs das Publikum. Aber in welchem Saal der Welt - den ewigen Referenzbau Wiener Musikverein einmal ausgenommen - gäbe es nicht tote Ecken? Selbst in der Kölner Philharmonie bekommen am Rande Sitzende die an der Rampe stehenden Solisten kaum mit.

Das ist in der Beethovenhalle anders: Der Klang eines großen Orchesters und der Solisten mischt sich zu einem homogenen Ganzen. Bei Klavierabenden zeigt sich, dass auch ein einzelnes Instrument den Raum insgesamt zum Schwingen bringt.

Die architektonische Qualität der Beethovenhalle hat am eindrücklichsten Richard Biedrzynski in der „Stuttgarter Zeitung“ vom 3. September 1959 beschrieben: „Der Bau in Bonn hat etwas von jener Schlichtheit, die nichts übertreibt und nichts untertreibt. Er hält Maß, und es ist schon heute sicher, daß er der provisorischen Bundeshauptstadt einen Akzent gibt, der über den Tag hinaus wirken wird, wenn Bonn nicht mehr Bundeshauptstadt sein sollte.“

Heute soll dieser Bau nichts mehr wert sein. Die drei in Bonn vertretenen Dax-Unternehmen Post, Postbank und Telekom wollen an der Stelle der Beethovenhalle ein „Beethoven-Festspielhaus“ errichten. Um den keineswegs zwingenden Standort zu rechtfertigen, redet man das bestehende Bauwerk schlecht: Langweilige Architektur sei das, piefig und provinziell, außerdem handele es sich um einen Mehrzweckbau mit miserabler Akustik. Also weg damit. Dass die Beethovenhalle unter Denkmalschutz steht, wen kümmert das schon.

Ein Abriss wäre ein barbarischer Akt

Die Rede von der angeblich miserablen Akustik der Beethovenhalle ist Propaganda. Mag sein, dass manche, geschult am CD-Klang, eine sahnigere Akustik schöner finden. Und wie jede Architektur ist auch die der Beethovenhalle zeitgebunden. Um sie ganz zu verstehen, braucht es die Fähigkeit zur historischen Einordnung und ein offenes Auge und Ohr.

Dass die Halle ein Multifunktionsbau ist, spricht nicht gegen sie: Die Bonner brauchen einen Raum, in dem sie feiern und tagen können. Erst 1997 hatte man die Halle nach mehrjähriger, denkmalgerechter Sanierung und Erweiterung, die unter der Leitung Siegfried Wolskes erfolgte, wieder eingeweiht. Sie wird seitdem für Konzerte, Tagungen und Feste genutzt. Dass man sie variabel mit eintausend bis zweitausend Plätzen bestuhlen kann, ist ein großer Vorteil.

Das geplante neue „Festspielhaus“, ausschließlich für Konzerte bestimmt, kann all das nicht ersetzen. Warum man es ausgerechnet an die Stelle der Beethovenhalle setzen will, bleibt unerfindlich: Denn ihr Standort zwischen Zahnklinik und Stadtwerken ist ihr einziger Nachteil, wird als entlegen wahrgenommen.

Ein „Festspielhaus“ mag - ein durchdachtes Nutzungskonzept vorausgesetzt - Bonn bereichern. Ein Abriss der Beethovenhalle zu seinen Gunsten aber wäre ein barbarischer Akt. Auch die Kölner haben den Gürzenich nicht abgerissen, als sie ihre Philharmonie erbauten.

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