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Eberhard Weber zum Achtzigsten : Tiefe, lang gezogen

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Eberhard Weber bekam den Sonderpreis für das Lebenswerk des Jazzpreises Baden-Württemberg verliehen. Bild: Picture-Alliance

Eberhard Weber gehört lange schon zu den prägenden Figuren der europäischen Jazzszene. An diesem Mittwoch wird der Bassist achtzig Jahre alt.

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          Neue Musik für alte Instrumente zu schreiben ergebe keinen Sinn. Dem radikalen Credo des mexikanischen Komponisten Carlos Chávez Ramírez sind andere Künstler weit konsequenter als er selbst gefolgt – auch einige Jazzmusiker. Der Bassist Eberhard Weber gehört zu ihnen.

          Sein von ihm Mitte der siebziger Jahre entwickeltes und seither gespieltes Instrument ist ein Zwitter aus E- und Kontrabass und besonders robust und vital. Mit diesem resonanzkörperlosen, elektrisch verstärkten, mit dem Griffbrett eines akustischen Kontrabasses ausgestatteten Spielgerät hat Weber eine Technik entwickelt, die zu einem eigenen, unverwechselbaren Sound führte.

          Die Frage, ob das Instrument den voluminösen und klangfarbenreichen Ton erst möglich machte oder die ohnehin vorhandenen musikalischen Präferenzen Webers sich nurmehr voll entwickeln konnten, lässt sich vernachlässigen. Webers Sinn für lange, intonationssicher gespielte Phrasen und meditativ wirkende Klangverbindungen hat der lange Atem des Stromnetzes jedenfalls generös ausschwingen lassen. Zu diesem Sound hat Webers Pianistenkollege Michael Naura angemerkt, er wirke, als werde er von jemandem hervorgebracht, der seit vielen Jahren unbeweglich am Ganges sitze und geradeaus starre. Um nicht missverstanden zu werden, stellte Naura das Bild vom in sich gekehrten Künstler sogleich in einen entsprechenden Kontext: Wo große Teile der Trivialmusik wie rhythmische Klopfzeichen aus einem Irrenhaus wirkten, könne Webers Musik tatsächlich wie nicht von dieser Welt klingen.

          Webers Klangästhetik prägte bedeutende Jazzgruppen

          Motorik aber sei in der Musik nicht alles: „Die eigene Unfähigkeit zur Geduld, die uns alle peinigt, sollte nicht die Elle sein, an der Webers Musik gemessen werden kann.“ Die Sorge war unbegründet. Webers Klangästhetik prägte seither eine Reihe bedeutender Jazzgruppen und eigene Ensembles, sei es, indem sie wie in den Gruppen des norwegischen Saxophonisten Jan Garbarek oder in seiner eigenen Formation Colours die vorhandenen Tendenzen des Klangs noch verstärkte, sei es, indem sie sich durch ihren Klanggestus wirksam davon absetzte, etwa im United Jazz + Rock Ensemble, dessen Gründungsmitglied er gewesen ist.

          Eberhard Weber, der eine profunde Ausbildung als klassischer Cellist vorweisen kann und zusammen mit dem vor wenigen Tagen verstorbenen Pianisten Wolfgang Dauner und dem Schlagzeuger Fred Braceful Anfang der sechziger Jahre eines der avanciertesten Jazztrios in Deutschland bildete, gehört lange schon zu den prägenden Figuren der europäischen Jazzszene, die bis ins amerikanische Mutterland des Jazz hineinwirken. Den größten Teil seiner Aufnahmen, auch jene in den Gruppen von Jan Garbarek, hat er bei ECM in München herausgebracht. Viele davon – etwa die frühen „Colours of Chloë“ oder „Yellow Fields“ bis zu den mit Jazzband und dem Radio-Symphonie-Orchester des SWR Stuttgart produzierte „Stages of a Long Journey“ – gelten als Reverenzquellen eines sinnlich ausgerichteten Jazz der letzten Jahrzehnte, der traditionelle Gestaltungsprinzipien und neue Spielpraktiken zu vereinen sucht.

          Genau vor fünf Jahren geschah Ungewöhnliches. Im Januar 2015 trafen im Theaterhaus Stuttgart ehemalige Weggefährten von Weber wie Pat Metheny, Jan Garbarek, Gary Burton oder Paul McCandless die SWR Bigband, um mit dem auf einer großen Leinwand zu sehenden und über Lautsprecher zu hörenden Bassisten live zu improvisieren. Weber saß unterdessen, gehandikapt durch eine Jahre zurückliegende Krankheit, im Auditorium und konnte mit Staunen hören, wie die Musikerfreunde auf seine lange zuvor eingespielten Basslinien ad hoc reagierten und neue Ideen entwickelten. Es war wohl die schönste und überraschendste Ehrung für Eberhard Weber. An diesem Mittwoch wird er achtzig.

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