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Wiener Burgtheater : Sag zum Abschied leise „Projekt“

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Ein buntes, präzise durchchoreographiertes Vergnügen ohne Worte: Herbert Fritschs „Zelt“ am Wiener Burgtheater Bild: dpa

Am Wiener Burgtheater bastelt Joachim Meyerhoff vor dem Intendantenwechsel einen Gedenkaltar für Ignaz Kirchner. Und Herbert Fritsch zeigt mit „Zelt“, wie man gänzlich sinnbefreit Theater macht.

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          Noch hält die kommende Direktion unter Martin Kušej, der ab dem Spätsommer das Wiener Burgtheater leiten wird, sich bedeckt. Während fast alle übrigen Bühnen hierzulande in den nächsten zwei, drei Wochen ihre Programme für die mit September startende Spielzeit präsentieren werden, dröhnt von Kušejs Seite Schweigen. Bisher – wir schreiben das letzte Aprilwochenende – ist noch kein Termin bekanntgegeben worden, und wer vom Ensemble am Hause bleiben wird, wer es verlassen oder wer neu hinzukommen wird, gibt in den hiesigen Gazetten seit einiger Zeit Raum für wilde Gerüchte. Halbwegs fix scheint bisher lediglich, dass das gesamte Verwaltungspersonal von der Dramaturgie bis hin zu Kommunikations- und Pressedienst ausgetauscht wird.

          Ob diese Unsicherheit – eventuell wissen Ensemblemitglieder, die bereits mit dem künftigen Herrn Direktor gesprochen haben, ja doch schon mehr über die je eigene Zukunft – nun eher Endzeitstimmung oder eine wie auch immer geartete Euphorie – „Juchhu, ich darf bleiben!“ oder „Endlich weg, meinen Knebelvertrag zerreiße ich am Klo!“ wären zwei mögliche, freilich keineswegs verbürgte Varianten – auslöst? In die beiden letzten Produktionen der Ära Karin Bergmann, die an den größeren Spielstätten Akademietheater und im Haus am Ring nun stattfanden, könnte man gleichwohl alles Mögliche hineingeheimnissen. Beide als „Projekt“ apostrophiert, stehen für sie im momentan bis Ende Mai einsehbaren Spielplan noch nicht allzu viele Aufführungstermine fest. Erstaunlich, wo doch beiden gemeinsam ist, dass zumindest die jeweiligen Bühnenbilder, im Akademietheater von Jenny Schleif, in der Burg vom Regisseur Herbert Fritsch selbst entworfen, mit vermutlich geringem Aufwand für den jeweiligen Abend auf die Bühne gebracht werden könnten. Was keinesfalls gegen die Schläue, fast möchte man sagen, geniale Schlichtheit dieser Entwürfe spricht. Ob Kušej etwas davon übernehmen mag?

          Ein Hintergrundgeschehen wie im Stummfilm

          Da wäre Joachim Meyerhoffs Projekt „Land in Sicht“ in Erinnerung an den nicht nur vom Projektleiter hochgeschätzten, freilich, wie dieser selbst zugibt, nie ganz durchschauten und viel zu früh verstorbenen Kollegen Ignaz Kirchner. Die Bühne ist bis auf ein paar Tische mit Umzugskartons und Werkzeug darauf, einige Platten Sperrholz und anderen Krimskrams sowie ein einem Gabelstapler nicht unähnliches Gefährt – es wird sich als Hebebühne entpuppen – leer geräumt.

          Bis an die Feuerwand ziemliche Leere. Während vorne an der Rampe Joachim Meyerhoff launige, skurrile oder auch erstaunliche Episoden aus seinen diversen Zusammentreffen und gemeinsamen Auftritten mit Kirchner erzählt, werkeln im Hintergrund seine Kollegen Mirco Kreibich und Fabian Krüger beinahe wort-, aber keineswegs geräuschlos herum, balancieren wie in einem alten Stummfilm mit Holzbalken (der Kalauer „Wir haben die Latte hochgelegt“, nachdem sie das auch im wörtlichen Sinne vollbracht hatten, blieb nicht aus), beginnen zu streiten, verletzen und verarzten einander – kurzum, Meyerhoff muss mehrmals das Publikum um Aufmerksamkeit bitten.

          Geschmacklose Bilderschau

          Zwischendurch schimpft er, freilich angeblich Kirchner zitierend, auf die amtierende Bundesregierung Österreichs, was leider, leider, von den Bohr-, Säge- und Quietschgeräuschen aus dem Hintergrund übertönt wird. Insgesamt ein großer Spaß, der beinahe zwei Stunden währt, die sich kaum so lange anfühlen. Doch dann kommt die Pause, und danach wird alles anders. Die Umzugskartons sind geöffnet, deren Inhalt – Ignaz Kirchners umfangreiche Tagebuch-, vielmehr Klebebilderbuchsammlung – ausgebreitet und dessen wohl nie zur Veröffentlichung gedachte Seiten werden von Meyerhoff in Auszügen präsentiert.

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