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Salzburger Festspiele : Das Lachen der Sphinx

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Ganz schön schaurig: Fotoprobe zur Oper „Oedipe“ von George Enescu Bild: dpa

In Salzburg bringen Achim Freyer und Ingo Metzmacher George Enescus Oper „Œdipe“ heraus. Das Stück entführt das Publikum mit phantastischen Bildern und gespenstischen Schattenspiele in ein surreales Traumland.

          Es war ein Schrei, der im Ohr von George Enescu wieder und wieder nachhallte: der Schrei des geblendeten Ödipus in der Tragödie des Sophokles, die der rumänische Komponist 1909 in der Comédie Française mit dem Schauspieler Jean Mounet-Sully erlebt hatte. Dieser Schrei des mit Urschuld geborenen Königssohns – er wird der Mörder seines Vaters sein, der Gatte seiner Mutter, der Bruder seiner Töchter und Vater seiner Brüder: das Urbild des tragischen antiken Helden – gewandelt zu einem der schauerlichsten Akkorde in der Geschichte des Musiktheaters: wenn der Verblendete in dem Moment, da er sehend geworden, sich die Augen aussticht. Gibt es eine andere Musik, die so schmerzlich wäre? Sie ist schauriger als das Gesicht des Œdipe, aus dem die Augen gerissen sind.

          Der genialische Regisseur und Bühnenbildner Achim Freyer bemerkte vor der Inszenierung von George Enescus Opern-Solitär voller Vorsicht und den Dirigenten Ingo Metzmacher einschließend, „dass nicht einmal wir ganz zur Gänze begreifen, was wir auf der Bühne schaffen“. Es ist ein Hinweis oder Eingeständnis, dass das Werk selbst für die, die sich ihm lange gestellt haben, die Gewalt des Fremden behalten hat: und die einer vom Schlusschor gestellten Herausforderung: „Drum, ist einer sterblich, achtet drauf, nach jenem letzten Tag auszuschauen: Keinen darf man glücklich preisen, eh er denn an des Lebens Ziel gelangt ist und kein Leid erduldete.“

          Das Modell der „Detektiv-Geschichte“

          Jene Aufführung in der Comédie Française regte Enescu 1910 sogleich zur ersten musikalischen Skizze an, noch bevor er in Edmond Fleg, einem jüdischen Schriftsteller schweizerischer Herkunft, einen kongenialen Librettisten fand. Fortan hatte der als Geigenvirtuose, Dirigent und Lehrer weltweit geforderte Enescu, wie sein Geigenschüler Yehudi Menuhin berichtete, „stets die Partitur dieser überwältigenden Oper bei sich. Statt zu schlafen, arbeitete er Tag und Nacht, auch zwischen Konzerten, an diesem monumentalen Opus“ – mehr als zwanzig Jahre. Die Uraufführung an der Pariser Opéra am 13. März 1936 mit dem Bariton André Pernet in der riesigen Titelpartie erlebte Enescu als den „schönsten Tag meines Lebens“.

          Doch bald nach dem bedeutenden ersten Erfolg wurde „Œdipe“ zum Fremdling des Repertoires – aus politischen Gründen, vielleicht auch deshalb, weil das in der Musik der Spätromantik wurzelnde und vom Klangfarbenreichtum des Impressionismus wie von der rumänischen Folklore inspirierte Werk das von einem mächtigen Häuflein gestellte Postulat des Materialfortschritts nicht erfüllte.

          Oft wurde die Lobesfloskel „Meisterwerk“ nachgeworfen

          Zwar wurde der Oper nach vereinzelten Aufführungen stets die Lobesfloskel „Meisterwerk“ nachgeworfen, aber erst die von Götz Friedrich betreute Aufführung an der Deutschen Oper Berlin (1996) – eine Koproduktion mit der Wiener Staatsoper – verschaffte dem auf einem ständigen Klage-Gestus voranschreitenden „Œdipe“ die verdiente Aufmerksamkeit. Nebenbei: Auslöser für diese Produktion war eine großartige Plattenaufnahme unter dem Dirigenten Lawrence Foster mit José van Dam in der Titelpartie.

          Bei seinem Libretto hielt sich Fleg nicht an die nach dem Modell der „Detektiv-Geschichte“ erzählte Tragödie des Sophokles, in der Ödipus das Rätsel der Sphinx löst, zum König von Theben aufsteigt und entdecken muss, dass die Verbrechen, die aufzuklären er gezwungen ist, von ihm selbst begangen worden sind. Der Mythos des Ödipus – schlechthin Urbild der tragischen Menschengestalt – wird, wie ein Bildungsroman, in einer durchgehenden, aber aus Fragmenten gefügten Handlung erzählt: von der Geburt am thebanischen Hof des Laïos und der Jocaste über sein Aufwachsen als Findelkind am Hofe des kinderlosen Königspaares in Korinth; seiner durch einen neuen Orakelspruch erzwungene Flucht, bei der er auf einem Dreiweg den Vater erschlägt, und dem Sieg über die Sphinx bei seinem unheilvollen Weg nach Theben.

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