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„Spartacus“-Ballett in München : Erotik besiegt die Kampfeslust

  • -Aktualisiert am

Tot, verehrt, beweint: Phrygia (Ivy Amista) trauert um Spartacus (Osiel Gouneo). Bild: Wilfried Hösl

Lasst eure Muskeln spielen, ihr mutigen Gladiatoren: Das Bayerische Staatsballett tanzt „Spartacus“ und begeistert das Publikum mit perfekt dargebotener Unterhaltung im Breitwandformat.

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          Zum fünfzigsten Jubiläum der Russischen Revolution von 1917 wünschten sich die Kreml-Herrscher eine Neubearbeitung des Spartacus-Stoffes, ein sowjetisches Helden-Ballett, das den Aufstand der Unterdrückten feiern sollte. Derart ideologisch motivierte Aufträge bringen in der Regel keine ästhetisch überzeugenden Werke hervor, doch Yuri Grigorovich gelang mit seiner ein Jahr später, 1968, uraufgeführten Choreographie das Kunststück, den Vorgaben zu entsprechen, sie aber so differenziert umzusetzen, dass ein Ballett entstand, das Jahrzehnte später noch Bestand hat, auch beim ehemaligen Klassenfeind im Westen. Als erste westeuropäische Compagnie studierte nun das Bayerische Staatsballett Grigorovichs „Spartacus“ ein, als erste Premiere unter seinem neuen Ballettdirektor Igor Zelensky.

          „Spartacus“ gehörte zum Repertoire des Bolschoi, das ihn auf seinen Tourneen durch Europa und die Vereinigten Staaten zeigte. Das Stück ist im Westen also nicht unbekannt, es begeisterte die Besucher und ebenso Tanzexperten wie den britischen Choreographen Kenneth MacMillan, der es bei einem Gastspiel in London sah und anschließend sagte, dass er sich für seine Werke die gleiche Aufmerksamkeit des Publikums wünsche. Tatsächlich ist „Spartacus“ ein fesselndes Action-Ballett, das seine Spannung weniger aus den Schlachtenszenen zwischen den aufständischen Sklaven und dem römischen Heer bezieht, sondern aus dem Widerstreit zwischen dem mutigen und edlen Anführer Spartacus und dem brutalen Feldherrn Crassus sowie der Liebe Spartacus’ zu Phrygia. Grigorovich erwies sich als dramaturgisch ausgesprochen raffinierter Erzähler, der auf Schlachtengetümmel intime Momente der Innerlichkeit folgen ließ, der große Gruppen dirigieren kann und ein gutes Auge für einprägsame Bilder besitzt. Mit seinen Mitstreitern, dem Komponisten Aram Chatschataturjan und dem Ausstatter Simon Virsaladze, schuf er ein hollywoodeskes Sandalen-Ballett, acht Jahre nachdem der feindliche Westen den Stoff mit Stanley Kubricks Leinwand-Epos für sich beansprucht hatte.

          Es beginnt mit einem heroischen Standbild

          Das Ballett beginnt mit einem heroischen Standbild, das einem antiken Fries abgeschaut sein könnte: Crassus steht an der Spitze einer Pyramide aus Soldaten, Schildern, Schwertern und Standarten. Es endet mit einem Standbild, das an eine Pietà erinnert: Der tote Spartacus ruht auf den himmelwärts gerichteten Händen seiner Getreuen, beweint von Phrygia, die einer Muttergottes gleich über den Auserwählten wacht. Erstaunlich, dass sich die sowjetischen Auftraggeber an diesem christlich grundierten Schlussbild nicht stießen.

          Sturm und Drang: Spartacus (Osiel Gouneo) beherrscht die Bühne.

          Dazwischen liegen die Schlachten zwischen dem Römerheer und den tapferen Thrakern, Gladiatorenkämpfe und Sklavenaufstände, friedliche Schäferszenen auf dem Land und halbseidene Orgien im Hause Crassus, die Liebesszenen zwischen Spartacus und Phrygia und die Momente der Verzweiflung, die der Sklavenanführer mit sich allein ausmacht, vorangetrieben von der mitreißenden Musik Chatschaturjans, die mit Trommeln und Trompeten das Heer begleitet und mit sanften Harfenklängen die Liebe zu Gehör bringt, in einer raffiniert beleuchteten Kulisse aus steinernen Wänden mit römischen Inschriften.

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