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Amerikas Opern und Corona : Misstöne an der Met

Vor zehn Jahren war die Welt an der Met noch in Ordnung: Ildar Abdrazakov in Giuseppe Verdis „Attila“. Bild: Ken Howard/Metropolitan Opera

Die Corona-Krise hat Amerikas Opernhäuser lahmgelegt. Auf Staatshilfe ist nicht zu hoffen, und in New York wird über Gehälter gestritten. Da gibt manch ein Musiker seinen Beruf auf.

          7 Min.

          James Ross erinnert sich noch gut an seinen Einstand im Orchester der Metropolitan Opera. Es war 1995, auf dem Programm stand Verdis „Otello“, und der Trompeter war inmitten von Superstars: Plácido Domingo in der Titelrolle, Renée Fleming als Desdemona, James Levine am Dirigentenpult. Nach Jahren als freiberuflicher Musiker in seiner Heimatstadt Vancouver hatte Ross den Karrieresprung nach New York geschafft, in eines der berühmtesten Opernhäuser der Welt. Er hatte sich einen umkämpften und mit einem harten Auswahlprozess verbundenen Posten gesichert, um einen Platz im „Met“-Orchester konkurrieren üblicherweise mehr als hundert Kandidaten. Es wurde mehr als ein Job für ihn, er sieht die Kollegen im Opernhaus als „erweiterte Familie“, an vielen Tagen verbrachte er mehr Zeit mit ihnen als zu Hause.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Am 9. März dieses Jahres kam das jähe Ende. Wieder war es eine Verdi-Oper, diesmal „La Traviata“. Es war seine letzte Vorstellung, bevor die Met wegen der Corona-Krise geschlossen wurde. Seine anfängliche Hoffnung, die Zwangspause könnte kurz ausfallen, zerschlug sich schnell. Und im September schockte die Met die Opernwelt mit der Nachricht, ihre gesamte Spielzeit 2020/21 zu streichen. Der Betrieb wird nun also frühestens im September nächsten Jahres wiederaufgenommen. Ross sah das kommen und hat die offizielle Ankündigung gar nicht abgewartet. Im August verkaufte er sein Haus in der Nähe von New York, packte seine Habseligkeiten und machte sich auf den Weg nach Vancouver, wo er nach zehntägiger Autofahrt ankam. Hier denkt er nun wehmütig an sein altes Leben und weiß nicht, ob er jemals zurückkommen wird.

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