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Concerto Copenhagen : Mozart – das ist mirakulös!

Sarah Aristidou (Mitte), umgeben von Skånes Dansteater Bild: Kim Matthiesen

Concerto Copenhagen und Lars Ulrik Mortensen gehören zur Weltspitze der Alten Musik. Corona hat dem Ensemble übel mitgespielt, aber es hat sich behauptet und kehrt nun an die Oper zurück: mit dem Werk eines Vierzehnjährigen.

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          Zwei Barockoboisten von Concerto Copenhagen, ein Mann und eine Frau, haben den Beruf aufgegeben. Er ging in den Getränkehandel nach Schweden, sie begann ein Medizinstudium. Auf der neuesten CD „Armonico Tributo“ mit Musik von Georg Muffat (Berlin Classics) spielen sie noch mit. „Die CD entstand 2020, in der Zeit, als wir keine Konzerte mehr geben durften, aber wenigstens Aufnahmen machen konnten“, erzählt Nikolaj de Fine Licht, während wir im Foyer des Schwarzen Diamanten, der neuen Königlichen Bibliothek in Kopenhagen am Kanal, sitzen. De Fine Licht gehörte 1991 zu den Mitbegründern von Concerto Copenhagen, das sich zu einem der weltbesten Spezialensembles auf historischen Instrumenten entwickelt hat. Seit 2011 ist er Geschäftsführer von „CoCo“.

          Jan Brachmann
          Redakteur im Feuilleton.

          Am 10. März 2020 stand in der F.A.Z. eine der letzten aktuellen Opernrezensionen vor dem Corona-Lockdown: Monteverdis „L’Orfeo“ am Königlichen Opernhaus mit Concerto Copenhagen und dessen Chefdirigenten Lars Ulrik Mortensen. Es war eine zarte, kluge Inszenierung, bei der mit bedrückender Anmut musiziert worden war. Nur noch die Hälfte des Publikums hatte die Premiere besuchen dürfen; der Rest war telefonisch kurzfristig ausgeladen worden. „Drei Vorstellungen konnten wir spielen, danach war Schluss. Monteverdis ‚Marienvesper‘ durften wir nicht mehr aufführen. Noblerweise hat das Opernhaus damals das volle Honorar ausbezahlt“, sagt de Fine Licht.

          Alle Musiker bei Concerto Copenhagen sind Freiberufler. Das heißt: „Wir haben keine Langzeitverträge. Alles ist projektbezogen. Soziale Absicherung gibt es nicht. Wenn wir nicht spielen, bekommen wir auch kein Geld. Man muss Mut zum Risiko haben und sehr davon überzeugt sein, dass das die richtige Möglichkeit ist, sich künstlerisch zu äußern“, erläutert Mortensen, ein Feuerkopf, der Concerto Copenhagen seit über dreißig Jahren glühen lässt. Die Corona-Zeit war für ihn und sein Ensemble hart. Von den sechzig Stammmusikern baten dreizehn um Nothilfe, die seitens des dänischen Staates nicht vorgesehen war. Nikolaj de Fine Licht organisierte eine Sammlung beim privaten Freundeskreis des Ensembles, bei der so viel Geld zusammenkam, dass die dreizehn Leute eine Einmalzahlung von etwa tausend Euro pro Kopf erhielten. Es gab in Dänemark Musiker, die ihre Instrumente oder ihr Haus verkaufen mussten, um überhaupt existieren zu können.

          Vom Staat erhält das Ensemble lediglich eine Basisförderung von zwei Millionen dänischen Kronen (knapp 270 000 Euro) im Jahr. „Unser Glück war, dass die vielen Privatstiftungen, die in Dänemark bei der Kulturfinanzierung eine große Rolle spielen, ihre zugesagten Fördergelder ausgezahlt haben, ohne dass wir die beantragten Projekte durchführen konnten“, berichtet de Fine Licht. Das Orchester habe an Streamingkonzerte ohne Pu­blikum nicht geglaubt, aber es wurde viel Geld in digitale Formate gesteckt: Youtube-Videos mit Probenausschnitten und Interviews, Musikclips mit eigenständiger Bildsprache und die visuell wie musikalisch sehr konzentrierte Reihe „Spaces“ an ungewöhnlichen Orten, etwa einem ruinösen Kontrollturm auf einem aufgelassenen Militärgelände.

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