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Dirigent Klaus Mäkelä : Hier wird Jugend verheizt

  • -Aktualisiert am

Klaus Mäkelä mit dem Concertgebouworkest Amsterdam. Bild: Fabian Schellhorn

Klaus Mäkelä ist 26 Jahre alt und schon zum Chefdirigenten des Concertgebouworkest Amsterdam erkoren worden. Der Auftritt beim Musikfest Berlin gerät zum Desaster.

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          Das Concertgebouworkest Amsterdam, einer der traditionsreichen Klangkörper der Welt, hat einen neuen Chefdirigenten. Im Juni wurde die Ernennung des Finnen Klaus Mäkelä bekannt gegeben, jetzt gab es die ersten Konzerte in neuer Konstellation zu Hause in Amsterdam und auswärts in Berlin zur Eröffnung des Musikfestes. Zu hören war ein Werk seiner finnischen Landsfrau Kaija Saariaho, „Orion“, und Gustav Mahlers sechste Symphonie. Zeitgenössisches und bewährt Klang- und Emotionsgeladenes also, wobei es für Mäkelä in Saariahos Stück vor allem darum geht, ein Kollektivmusizieren zu beaufsichtigen, aus dem selten einmal eine Instrumentengruppe oder gar eine Solostimme hervortritt. Schwer im Magen liegt dieses Stück nicht, weder beim Hörer noch bei den Musikern, die anschließend deutlich ballaststoffreichere Kost zu bearbeiten hatten.

          Mahlers Sechste, mit Beinamen „Tragische“, gehört zu den großen Kraftakten der symphonischen Literatur, von den Interpreten heißes Blut einfordernd und zugleich einen kühlen Kopf, soll nicht das Ganze viel zu früh gegen jene Wand fahren, die Mahler im Grunde über eine gesamte Symphonie hinweg ansteuert. Mäkelä tut hier, was viele Dirigenten tun: Er feuert an, versucht mit schiebenden Bewegungen Energie ins Orchester zu pumpen, lässt keinen Akzent, kein überfallartiges Crescendo ungenutzt vorüberziehen. Man kann Mäkelä nicht vorwerfen, dass er die Partitur nicht kennen würde. Die beherrscht er merklich. Aber entsteht musikalischer Sinn daraus? Wozu das alles: diese heftigen Klangreize, die Spitzen und Schläge? Es wird nicht klar, weil Mahlers düsterer Hintergrund nicht spürbar wird, vor dem all das geschieht und der im langsamen Satz deutlicher hervortritt, einem wehmütigen Gesang, der sich immer wieder in die kuhglockenumläutete Idylle flüchtet.

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