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Volksbühnen-Intendanz : Unsterblichkeitsschändung!

  • -Aktualisiert am

Hat vom Theater keine, vom Managen aber womöglich mehr Ahnung als sein Vorgänger: Chris Dercon soll Intendant der Volksbühne werden. Bild: dpa

Chris Dercon soll auf Frank Castorf folgen? Das ist natürlich gröbster Unfug, passt aber auf den Misthaufen Volksbühne wie ein parfümiertes Taschentuch - also ganz wunderbar zu Berlin.

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          Was Gott in seiner großen Güte und Allmacht wohlweislich getrennt hat, nämlich die SPD und die Kultur, das soll der Mensch nicht freventlich zusammenfügen. An dieses uralte kulturtheologische katechetische Dogma muss gerade jetzt erinnert werden, da in Berlin ein SPD-Staatssekretär namens Renner sich mit Kultur befasst. Ihm obliegt es, für die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, das hässlichste Theater unserer hässlichen Hauptstadt (also ihr berühmtestes Haus), einen neuen Intendanten zu finden.

          Das heißt, dass er naturgemäß massiv wider das eingangs erwähnte Dogma der Unvereinbarkeit verstößt und demgemäß als Häretiker in der kulturpolitischen Hölle schmoren wird. Denn es gehört zu den gleichfalls katechetischen Dogmen, dass die Volksbühne in Ewigkeit keinen neuen Intendanten haben darf, denn sie hat seit 1992 Frank Castorf. Er hat sein Theater zu einem derartigen Event-Schuppen emporentwickelt, in dem ein Diskurs den nächsten, eine Video-Performance die übernächste, eine Stück-Dekonstruktion die überübernächste kuratiert, dass es völlig undenkbar scheint, dass Kategorien der Sterblichkeit für all dies Gültigkeit haben sollten.

          Kein Zweifel an Castorfs Heiligkeit

          Da jetzt gemeldet wird, der SPD-Staatssekretär mit dem seltsamen Zusatz „Kultur“ wolle am 30. April verkünden, er sehe fürs Jahr 2017 an Stelle Castorfs einen neuen Eventmanager und Kurator für die Volksbühne vor, gerät das in die Nähe einer Unsterblichkeitsschändung. Zumal der Neue namens Chris Dercon aus dem Galerie-Gewerbe kommt, gebürtiger Belgier ist, gerade noch Chef der Tate Modern in London, vom Theater keine, vom Managen aber viel Ahnung hat, womöglich mehr als Castorf. Weshalb er die Volksbühne aufs ehemalige Tempelhofer Flugfeld ausdehnen und dort sie sich performancemäßig zwischen Diskurs-Ausstellungswänden (oder so ähnlich) austoben lassen soll.

          Das ist natürlich gröbster Unfug, passt aber auf den Misthaufen Volksbühne wie ein parfümiertes Taschentuch - also ganz wunderbar zu Berlin. Was nun Castorfs Dogmatiker-Kollegen (vulgo: Intendanten-Brüder) auf den Plan ruft. Sie hatten sich zwar in der Vergangenheit in fünf- bis siebenstündigen theatralischen Qualszenen-Ausstellungen Castorfs die Hintern wund gesessen und bis zum Video-Umfallen gelangweilt. Was sie aber offenbar nie an Castorfs Heiligkeit hat zweifeln lassen. Denn jetzt fordern sie, von Peymann (Berliner Ensemble) über Flimm (Berliner Staatsoper) bis hin zu Lux (Hamburger Thalia Theater), Khuon (Deutsches Theater), Kusej (Münchner Residenztheater) und Pierwoß (ehemals Tübingen-Köln-Bremen), in offenen Briefen an den sogenannten Kulturstaatssekretär schon mal die sofortige Überführung Castorfs in ein Mausoleum.

          Dem für ihn sowieso nie gelten dürfenden Rentenalter wäre er ja bis auf ein juveniles Jahr nahe gekommen, wird aber nach dem Willen seiner Kollegen, wenn er in eventuell zwei, drei Jahrhunderten das Zeitliche gesegnet haben sollte, offenbar selbst als Toter noch höchst lebendig die Volksbühne leiten - einbalsamiert im Roten Salon des Hauses. Und der Kulturstaatssekretär darf dann dort eine Devotionalien-Kerze anstecken. Wenn es ihn überhaupt noch geben sollte. Denn, wie gesagt: Gott, der Allmächtige ... (siehe oben).

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