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Sängerin Cecilia Bartoli : Verkleidung oder Neigung?

  • -Aktualisiert am

Cecilia Bartoli mit Bart Bild: Uli Weber

Die Sängerin Cecilia Bartoli widmet sich dem Repertoire des Kastraten Farinelli – und treibt auch in ihrer äußeren Erscheinung ein verwirrendes Spiel mit den Geschlechtergrenzen. Mit Lust offenbar.

          4 Min.

          „Moment!“, ruft sie dem Dirigenten zu, zieht kräftig an ihrer Zigarre und nimmt dann, in einer Rauchwolke, punktgenau ihre rasante Koloratur-Fahrt wieder auf: Es war der komischste Moment in der neuen Bühnen-Show von Cecilia Bartoli, die im Festspielhaus Baden-Baden Premiere hatte und am Freitag im Kurhaus in Wiesbaden zu erleben sein wird. Farinelli ist der Held des Abends, jener Kastrat, der die Damen reihenweise in Ohnmacht fallen ließ, nicht nur wegen seines Gesangs.

          Für Cecilia Bartoli ist dieses Projekt „die verrückteste Sache“, erzählt sie im Interview. Als Frau spielt sie einen Mann, der selbst in Frauen- und Männerrollen auftrat. Und sobald sie die Bühne betrete, gesteht sie, fühle sie sich leibhaftig als Farinelli: „Ich bin ein Mann, der auch weibliche Charaktere darstellt.“ Wenn Kastraten allerdings Männerrollen übernehmen, verrät sie schalkhaft, lösen sich die ins Taumeln geratenen Geschlechtergrenzen weiter auf: Dann könnten sich die Opern-Könige und Feldherren wenigstens etwas ankleben, was ihre Männlichkeit herausstelle, ihnen aber die Natur versage – Bärte. Deshalb posiert die schöne Frau auf dem Cover und im Booklet ihrer neuen, bei Decca erschienenen CD „Farinelli“ nackt, mit verschränkten Armen auf der Brust, aber mit Kinn- und Schnurrbart, damit die Künstlichkeit dieser Kastratenwelt ein Gesicht bekommt, auch wenn es mancher Betrachter mit Conchita Wurst verwechseln dürfte.

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