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Cecilia Bartoli in Neapel : Und am Ende einen Gassenhauer

  • -Aktualisiert am

Cecilia Bartoli bei ihrem Auftritt in Neapel Bild: Francesco Squeglia

Das Publikum verfällt zunehmend in Raserei, wenn Cecilia Bartoli es auf einer Zeitreise durch die magische Welt des Belcanto führt. Sängerisches Genie – bei diesem Debüt in Neapel war es zu erleben.

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          Die Inschrift „Amphion Thebas/Ego Domun“ steht über dem Portal eines alten Palazzo in der neapolitanischen via Carlo de Cesare, erbaut anno 1754 von Gaetano Majorano nach dem Abschied von der Bühne in Neapel: „Amphion erbaute Theben, ich diesen Palast.“ Mit der Inschrift erinnerte der Sänger an die mythische Geschichte, nach der Amphion, Sohn des Zeus, mit den Klängen seiner Lyra Steine dazu gebracht hatte, sich zu den Mauern von Theben zu schichten. Wenig später fügte ein Scherzbold hinzu: „Ille cum, tu sine – jener mit, du ohne.“ Denn Gaetano Majorano, genannt Caffarelli, hatte in seiner Kindheit, angeblich nach eigenen Willen, ein schweres Opfer gebracht. Er hatte sich kastrieren lassen, um eine voce celesta zu bekommen.

          „Voci celesti – himmlische Stimmen“ steht auf dem von Cecilia Bartoli gestalteten Programm der Salzburger Festspiele Pfingsten. Es kündigt Opern von Georg Friedrich Händel und Nicola Popora an, geistliche Musik von Antonio Caldara, Giovanni Battista Pergolesi und Arvo Pärt und eine Gala, die „Farinelli & Friends“ gewidmet ist – von Cecila Bartoli & Friends. Zur Einstimmung hatte das Direktorium der Festspiele zum Debüt von Cecilia Bartoli am Teatro San Carlo nach Neapel geladen. Dort waren in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts jährlich an die viertausend Knaben um des Kunstwerks einer kostbaren Stimme willen einer grausamen „Schönheitsoperation“ unterzogen worden: der Kastration. Die Reise führte „Auf den Spuren der Kastraten“ in das legendäre Conservatorio San Pietro a Majella, in dessen Mauern Tausende Partitur-Autographen, Libretti und Figurinen geborgen sind, und in das „Museo delle arte sanitarie“, wo Professore Cesari Corsi auf höchst anschauliche, aber auch die Einbildungskraft quälende Weise das chirurgische Instrumentarium vorführte, mit dem die makabre Prozedur durchgeführt wurde: darunter eine stumpfe Schere und ein halbgerundetes Skalpell, an das die „Kapaunten“ nach ihren Auftritten auf schmerzliche Weise erinnert wurden.

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