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Bushido im Gespräch : Doch, läuft super

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Wie wollen Sie als Politiker mit Parallelgesellschaften umgehen, damit, dass in den sogenannten Problembezirken von Berlin der Rechtsstaat nicht ohne Weiteres akzeptiert wird?

Da benötigt es eine große Portion Fingerspitzengefühl. Ich kenne das selbst: Es gibt bei uns kaum jemanden, der zur Polizei oder zum Anwalt geht. Und wenn doch, dann nur, um zu drohen, und nicht, um das Problem zu lösen.

Was also tun?

Ich finde es interessanter, die Leute wirklich zu fragen, wo ihr Problem liegt. In der Integrationskiste fehlt einfach die Bereitschaft, manche Sachen zu akzeptieren. Man wird niemals eine Hierarchie in gewissen Kreisen herausbekommen. Das ist aber nichts Schlimmes: Wenn ich jetzt ein Problem habe, weil mir irgendjemand das Auto zerkratzt hat, und ich kenne zufällig den Cousin dieses Typen, warum soll ich zur Polizei gehen? Dann rufe ich lieber diesen Cousin an und bitte ihn darum, dass der Verursacher mein Auto repariert. Das hat doch auch etwas für sich. Natürlich darf das nicht in Selbstjustiz ausarten.

Sie haben auch Ihre Probleme am Rande des Gesetzes geregelt, richtig?

Na klar, immer, und das wird sich wahrscheinlich nie ändern.

Geht das konform mit einer Karriere als Politiker?

Ich glaube, das ist kein Problem. Was habe ich schon Großartiges gemacht? Ein paarmal über Rot gefahren, paar Beleidigungen, aber daran arbeite ich jetzt mit meiner Psychologin. Okay, ich habe früher mal Drogen verkauft, damit habe ich schon lange nichts mehr zu tun.

Am Anfang Ihrer Karriere haben Sie sich mit einem der mächtigsten arabischen Familienclans in Berlin zusammengetan. Besteht diese Freundschaft noch?

Wir sind die besten Freunde. Das geht sogar über den Freundschaftsstatus hinaus. Ich habe mich nicht auf irgendwelche Leute eingelassen, sondern wir sind zu dem geworden, was wir heute sind. Es ging damals nicht um Vorteile. Über Jahre haben wir dann unsere Positionen eingenommen. Es hat sich herausgestellt, dass wir alle mit dem, was wir können und wer wir sind, sehr gut interagieren. So haben alle profitiert, und das nicht nur im finanziellen Sinne.

Diese Familie wird mit schwerster organisierter Kriminalität in Verbindung gebracht.

Wahrscheinlich werden viele Leute mit vielen Sachen in Verbindung gebracht.

Es gibt aber konkrete Urteile, zum Beispiel wegen des Überfalls auf das Pokerturnier im Berliner „Hyatt“-Hotel im Jahr 2010.

Mir ist das scheißegal.

Sie loben einerseits die deutschen Gesetze, andererseits sagen Sie, dass es Ihnen egal ist, was Ihre Freunde so treiben?

Ich sehe da kein Problem. Wenn ich es ändern könnte und etwas zu sagen hätte, dann wüsste ich ganz genau, wo ich anfangen würde. Im Endeffekt bin ich aber noch nicht in einer Position, in der ich Leuten sagen kann, was falsch oder was richtig ist.

Aber wenn Sie politisch aktiv werden wollen, dann ist es doch ein Problem, wenn Sie in der Nähe zur Mafia agieren.

Was ist denn mit Berlusconi? Der ist ja nicht wegen seiner Mafiageschichten verurteilt worden, sondern weil er zu viele Mädels weggeknallt hat. Keiner macht es besser. Es gibt nur Leute, die es besser verschweigen. Wir sind, was wir sind.

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