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BR-Symphonieorchester : Dirigent Mariss Jansons gestorben

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Seine Liebe galt der Oper: Mariss Jansons ist im Alter von 76 Jahren gestorben Bild: EPA

Er war einer der bedeutendsten Dirigenten: Jetzt ist der lettische Dirigent Mariss Jansons im Alter von 76 Jahren gestorben.

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          Der Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons, ist tot. Er starb in der Nacht zum Sonntag in seiner Petersburger Wohnung im Kreis seiner Familie. Jansons, der aus dem lettischen Riga stammte und zu den bedeutendsten Dirigenten weltweit zählte, sei im Alter von 76 Jahren gestorben, teilte eine Sprecherin der Wiener Philharmoniker am Sonntag mit.

          Jansons war in den großen Konzertsälen der Welt zu Hause. In Norwegen begann er als Chefdirigent der Osloer Philharmoniker, die er von 1979 bis 2000 zu einem internationalen Spitzenorchester formte, seine Weltkarriere. Er war Chefdirigent des Concertgebouworkest Amsterdam und leitete seit 2003 das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Sein Vertrag dort sollte bis 2024 laufen.

          „Wir trauern um einen großartigen Künstler und wunderbaren Menschen“, teilte Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks, am Sonntag mit. „Mariss Jansons hat Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks zu dem geformt, was sie heute sind.“ Seinem unermüdlichen Einsatz sei es zu verdanken, dass in München in den nächsten Jahren ein neues Konzerthaus entstehen werde.

          Die Oper lag ihm am meisten

          Mariss Jansons wurde 1943 im Getto von Riga geboren. Sein Vater Arvid Jansons war ebenfalls Dirigent, seine jüdische Mutter Iraida eine Mezzosopranistin. Nach Studien bei dem legendären Dirigentenausbilder Hans Swarowsky in Wien und bei Herbert von Karajan in Salzburg machte der große russische Dirigent Jewgeni Mrawinski den jungen Jansons zu seinem Assistenten. Der damalige Chef der Leningrader Philharmoniker prägte Stil und Repertoire des jungen Dirigenten entscheidend. Seither wurde Jansons der „russischen Schule“ zugerechnet. Auch seine Vorliebe für Dimitri Schostakowitsch ging auf seinen Lehrer zurück, der mehrere Werke des Komponisten uraufgeführt hatte.

          Jansons galt als detailversessener Handwerker, als Workaholic. Neben Schostakowitschs stilistisch zerrissenen Symphonien zählte dessen Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ zu Jansons' Leib- und Magenstücken, in denen seine Detailarbeit besonders zur Wirkung kam. Immer wieder bekannte der Dirigent, dass ihm Oper eigentlich am meisten liege. Mit „Eugen Onegin“ und „Pique Dame“ von Peter Tschaikowsky gelangen ihm meisterhafte Deutungen. Doch seit einem Herzinfarkt 1996 wurden seine Opernauftritte zu raren Ereignissen, zu denen Musikfans aus aller Welt pilgerten.

          Im Sommer 2020 sollte Jansons – wie jedes Jahr – auch eine Opernproduktion bei den Salzburger Festspielen leiten. Bereits im Juni dieses Jahres hatte er auf ärztliche Empfehlung seine geplanten Konzerte mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks bis Ende August abgesagt.

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