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Aufsichtsrat hat entschieden : Boris Charmatz wird Künstlerischer Leiter des Tanztheater Pina Bausch

  • -Aktualisiert am

Er soll Intendant werden: Boris Charmatz. Bild: Tanztheater Pina Bausch

Der französische Tänzer und Choreograph Boris Charmatz soll 2022 die künstlerische Leitung des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch übernehmen. Ist das eine gute Wahl?

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          Der Finanzausschuss der Stadt Wuppertal muss dem Vorschlag noch zustimmen. Bis dahin bleibt die Entscheidung des Aufsichtsrats des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, den französischen Tänzer-Choreographen Boris Charmatz, 48, als nächsten Künstlerischen Direktor des Ensembles bestellen zu wollen, noch ein Desiderat.

          Eine große Überraschung war es in jedem Fall. Charmatz hat gegenüber Teilnehmern der heutigen Pressekonferenz zur Verkündung dieser Entscheidung erklärt, er habe sich nach einem Besuch in die Stadt Wuppertal, die Company, und die Stiftung „verliebt“. Ah oui, l’amour! Respekt für das Werk von Pina Bausch und für das Ensemble bringe der Kandidat mit, unterstreicht die Stadt in ihrer Presseerklärung.

          Mit diesen Formulierungen ist höflich umschrieben, dass der zuletzt in der Bretagne arbeitende Charmatz keine Ahnung hat, was auf ihn zukommt, und keine klare Vorstellung von der Arbeit, die es bedeutet, das aus etwa vierzig Stücken bestehende Werk der weltberühmten, 2009 verstorbenen Tanztheaterchoreographin lebendig, spielbar, zugänglich und ästhetisch authentisch zu erhalten.

          Nur weil er 2009 bis 2018 in Rennes eines von 19 choreographischen Zentren Frankreichs leitete und es zum „Musée de la Danse“ erklärte, heißt das noch nicht, dass seine Beschäftigung mit der Tanzgeschichte in die Tiefe geht. Charmatz hat wohl eher einen provokativ-scharlatanischen Zugang zu den Werken anderer.

          Den Tanz zu musealisieren, haben nicht wenige Choreographen als probaten Weg aus der Relevanz-Krise des zeitgenössischen Tanzes entdeckt. MOMA New York und die Londoner Tate Modern haben in den letzten Jahren viele Tanzpositionen präsentiert, darunter Boris Charmatz.

          Bei aller Liebe, oder vielmehr Verliebtheit, ist offenbar schon jetzt klar, dass Charmatz nicht vorhat, an der Wupper ganzjährig seine Zelte aufzuschlagen. Das Tanztheater soll sich nach seiner Vorstellung künftig als ein deutsch-französisches Projekt verstehen. Heimat des Ensembles bleibt aber, so heißt es, die Stadt, die 2009 Pina Bauschs Tod als so herben Verlust erlebte, und seither daran scheiterte, die Zukunft des Tanztheater Wuppertal zu definieren.

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