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Berliner Opernkrise : Alle Macht der Musik

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Der künftige Generalmusikdirektor der Deutschen Oper: Donald Runnicles Bild: dpa

Der neue Musikgeneraldirektor hat es zu Beginn seiner Arbeit nicht leicht: Dirigent Donald Runnicles platzt mitten in den Nachfolgestreit an der Deutschen Oper Berlin. Im exklusiven Interview spricht der Schotte über Teamwork, Hector Berlioz und seinen Ruf als Machtmensch.

          6 Min.

          Über Ostern wieder massenhaft Musiktouristen in Berlin. Alle glücklich. Alle drei Opernhäuser (fast) ausverkauft. Was gab es da auch zu gucken! Ein neuer, syberbergmäßig implodierender „Lohengrin“ an der Lindenoper, darin Stefan Herheim das deutsche Gründerzeitpathos zu Kleinkleckersdorf zusammenfaltet. Schlaffe FKK-Orgien auf Armidas Zauberinsel, dazu ein von Konrad Junghänel herrlich aufgepulvertes Komische-Opern-Orchester und Maria Bengtsson als leuchtendwahrhaftige Gluck-Heroine.

          Und sogar die Deutsche Oper Berlin, die doch sonst immer nur die sauren Zitronen abkriegt, macht Punkte mit einem Stück, das keiner kennt, auch eigentlich keiner kennen will, das sich aber herausstellt als grandios instrumentierte Kolportage, famos gesungen, fesselnd bis zur letzten Minute (“Marie Victoire“ von Respighi). Muss man alles gehört, muss man alles gesehen haben. Tolle Bilanz.

          Aber kaum ist Ostern vorbei, hebt schon wieder die Berliner Opernkrise ihr graumeliertes Medusenhaupt. Frischer Dampf in der Famaküche, die aus undichten Stellen in der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisterkultursenators Klaus Wowereit gespeist wird.

          Der neue Generalmusikdirektor Donald Runnicles (vorne) mit Kulturstaatssekretär Andre Schmitz und Intendantin Kirsten Harms

          Bleibt sie oder bleibt sie nicht?

          Es heißt, Symphoniker-Intendantenküken Daniel Kühnel aus Hamburg, 36 und genial, solle im Duo oder Trio zusammen mit Regietheaterchampion Jossi Wieler, 58 (und, untrennbar, mit dessen Partner Sergio Morabito), die Intendantin Kirsten Harms an der Deutschen Oper ablösen. Die Namen: Kaum genannt, schon verbrannt. Frau Harms will bleiben.

          Bleibt sie, geht Generalmusikdirektor Donald Runnicles, vielleicht, noch bevor er am 1. August sein Amt antritt. Bleibt sie nicht, wer kommt? Kulturstaatssekretär André Schmitz, zu dessen Seilschaft Kühnel gehört, ist für Kühnel. Wowereit und seine Senatskanzleichefin Barbara Kisseler haben eigne, andere Pläne. So geht das nun seit Wochen, Monaten, Jahren.

          Für eine demokratisch-öffentlich agierende Findungskommission, wie sie sonst in kniffligen Fällen eingesetzt wird, ist es eh zu spät. Bis Ende der Spielzeit werde eine Entscheidung getroffen sein, verspricht Kisseler, als sie am Freitag aus dem Urlaub zurückkehrt. Und fügt, auf Pannen der Vergangenheit angesprochen, hinzu: „Errare humanum est.“

          Maestro Donald Runnicles aber dirigiert Mahlers Sechste in Atlanta und „Peter Grimes“ in Genf und hält sich heraus. Er hat, seit er im Oktober 2007 zum GMD ernannt wurde, kein einziges Interview gegeben. Dieses hier, geführt im Genfer Opernhaus am Morgen nach der Vorstellung, ist das erste.


          Herr Runnicles, ich habe gelesen, Sie seien ein Alleskönner . . .

          Was lesen Sie bloß für Zeug?

          Zeitungen. Man schreibt viel über Sie in der Berliner Presse. Das Wort Alleskönner ist kein Kompliment, hier meint es wohl eher: Kann der auch was richtig?

          Eines ist hoffentlich klar: Ich werde in Berlin nicht zum ersten Mal in meinem Leben als Generalmusikdirektor an einem Opernhaus anfangen. Als GMD hat man die Verantwortung für ein breites Repertoire. Und man sollte es beherrschen. In diesem Punkt bin ich altmodisch. Ich gebe zu, dass ich Wagner und Strauss liebend gerne dirigiere, wir machen in San Francisco gerade wieder einen „Ring“. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch Britten dirigiere oder Mozart oder Messiaen.

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