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Berliner Gefängnistheater : Freigang nach Noten

  • -Aktualisiert am

Freigang nach Noten: H. Peter Maier in der Rolle des Pizarro und Mitglieder des Gefangenenchors Bild: Thomas Aurin

Das Berliner Gefängnistheater aufBruch spielt „Fidelio“ in der Justizvollzugsanstalt Tegel. In seinem 250. Geburtstagsjahr ist zwar überall Beethoven zu hören – doch wohl nirgendwo so verzweifelt schön wie hier.

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          „Liebes Publikum“, sagt der sangesfreudige junge Mann mit der dunklen Strickmütze freundlich, „jetzt geht es um die sprichwörtliche Leiche im Keller.“ Man könnte das für einen kleinen Scherz unter Opernfreunden halten (und an Florestan im „unterirdischen dunklen Kerker“ in „Fidelio“ denken), wäre er nicht tatsächlich Insasse der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel. Karim, der wie andere im Programmheft nur mit seinem Vornamen genannt werden will, zählt zu den vielen Laienschauspielern, mit denen das Gefängnistheater aufBruch seit 1997 im Strafvollzug arbeitet.

          Prinzipiell darf jeder der knapp tausend Inhaftierten der JVA mitmachen, egal, wofür er verurteilt wurde. Das Team von aufBruch hat keine Akteneinsicht und weiß nicht, was die Menschen auf dem Kerbholz haben, doch da die meisten von ihnen jahre- bis lebenslang eingesperrt sind, werden durchaus schwere Jungs dabei sein – eben mit Leichen im Keller. Über zwanzig spektakuläre Produktionen hat aufBruch schon unter schwierigen Bedingungen zwischen Kunstanspruch, Knast und Bürokratie realisiert, darunter Stücke von Shakespeare, Kleist oder Heiner Müller. Diesmal hat der Regisseur Peter Atanassow mit dem Gefangenenensemble der JVA sogar nach den Sternen gegriffen und „Fidelio“ nach Ludwig van Beethoven inszeniert.

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