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Berliner Ensemble : Hochhuth will kündigen und schimpft auf Peymann

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Polterer ante portas: Rolf Hochhuth vor dem Eingang des Theaters am Schiffbauerdamm Bild: AP

Der Dramatiker Rolf Hochhuth, Eigner des Theaters am Schiffbauerdamm, und Claus Peymann, Intendant des dort ansässigen Berliner Ensembles, rangeln um Hochhuths Recht, dort in der Sommerpause eigene Stücke zu inszenieren. Jetzt ist der Streit eskaliert.

          Der Theater-Streit zwischen dem Intendanten des Berliner Ensembles, Claus Peymann, und dem Dramatiker Rolf Hochhuth ist eskaliert. „Die Kündigung wird eingereicht. Unter Garantie“, drohte Hochhuth an diesem Freitag dem BE mit Rausschmiss aus seiner Spielstätte, dem Theater am Schiffbauerdamm. Hochhuth gehört das Gebäude. Er besteht darauf, dort sein Stück „Sommer 14“ aufzuführen. Dass ihm dies bislang verweigert werde, sei Peymanns Schuld. „Er ist einfach menschlich der letzte Dreck“, sagte Hochhuth.

          Für sein Recht auf Aufführung streitet Hochhuth vor dem Landgericht Berlin. Dort erwirkte er eine Einstweilige Verfügung, die ihm Zutritt zum Gebäude verschaffen sollte - was ihm bislang unter anderem mit Hinweis auf laufende Bauarbeiten verweigert wurde. Wie Hochhuths Anwalt Uwe Lehmann-Brauns erklärte, wird am 13. August über die Bestätigung der Verfügung verhandelt. „Wir wollen statt fünf Wochen nur vier Tage im Großen Haus sein“, sagte Lehmann-Brauns. Er sei zuversichtlich, dass das gelingen werde. Hochhuth sagte, ein Nachmieter sei „schon längst gefunden“. „Natürlich fliegt die Senatsmafia raus“, wetterte er.

          „Aufführungswunsch zu spät angemeldet“

          Der Hintergrund des Streits ist etwas kompliziert: Mieter des Theaters ist das Land Berlin, das es dem BE zur Verfügung stellt. Gleichzeitig steht Hochhuth das Recht zu, in der Sommerpause ein eigenes Stück aufzuführen.

          Eine Aufführung hätte Hochhuth jedoch bis zum 30. April letzten Jahres anmelden müssen, erklärte Anwältin Judith Müller von der Kanzlei Hogan & Hartson Raue, die das Land Berlin vor Gericht vertritt. Sie verwies auf einen Beschluss des Landgerichts vom Donnerstag, demzufolge die Vollziehung der Einstweiligen Verfügung bis zur Verhandlung am 13. August eingestellt wird. Mit anderen Worten: Hochhuth kann den Zugang zum Theater bis dahin nicht erzwingen.

          In dem Beschluss verweist das Gericht auf einen Passus im Mietvertrag, nachdem über ein Gastspiel „bis spätestens zum 30. April des Vorjahres Einvernehmen“ hergestellt werden muss. „Dies scheint nach dem bisherigen Vortrag nicht der Fall zu sein“, heißt es weiter. Es habe lediglich am 20. Februar 2008 die Ankündigung gegeben, dass „Sommer 14“ aufgeführt werden soll. Es sei Intendant Peymann angeboten worden, das Stück zu inszenieren, dieser habe abgelehnt. Danach sei keine Einigung zustande gekommen.

          Wie Anwältin Müller erklärte, hatte sich Hochhuth erst wieder am 28. März dieses Jahres mit seinem Wunsch an das Land Berlin gewandt, dann noch einmal im Juni. Dies sei viel zu spät gewesen, sagte Müller, die auch auf die Bauarbeiten im Theater verwies. Die TÜV-Abnahme sei für den 21. August geplant.

          „Es gibt keine Alternative“

          Peymann hatte im April letzten Jahres seinen Vertrag als Intendant, künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des Berliner Ensembles bis zum 31. Juli 2011 verlängert. Er wechselte 1999 vom Wiener Burgtheater ans Berliner Ensemble und ist dessen alleiniger Gesellschafter. In den letzten Jahren gab es immer wieder Streit zwischen Peymann und Hochhuth. Der Intendant lehnte es unter anderem ab, Hochhuth-Stücke aufzuführen.

          Hochhuth erklärte, derzeit probten seine Schauspieler in der Akademie der Künste am Hanseatenweg. Das Stücke werde auf alle Fälle im Berliner Ensemble aufgeführt. „Es gibt keine Alternative. Wir wollen keine Alternative.“

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