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Heroines of Sound Festival : Die Technofrauen und das Patriarchat

  • -Aktualisiert am

Elektrifiziert: „Lump in the Throat“ von und mit Irena Z. Tomažin Bild: Udo Siegfriedt

Das Berliner Musikfestival „Heroines of Sound“ trägt den Feminismus in die Musikindustrie und zeigt dabei die Avantgarde der Elektromusik. Die Hauptforderung der Gründerinnen ist eine Frauenquote für Radio und Orchester.

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          „Obwohl Frauen mehr als fünfzig Prozent des Publikums in Konzerten ausmachen, sind nur zehn Prozent der auftretenden Musiker und Komponisten weiblich. Eine traurige Bilanz trotz eines Jahrhunderts voller feministischem Engagements“, so die Musikprofessorin Bettina Wackernagel. In Berlin setzt sich zum sechsten Mal ein Festival mit den frühen, aber auch den aktuellen Heldinnen der elektronischen Musik und den Genderfragen im Musikgeschäft auseinander. Als Plattform existiert das Zusammentreffen von Komponistinnen, Musikerinnen und Aktivistinnen mit dem Namen „Heroines of Sound“ seit 2014. Das Musikevent, welches dieses Jahr in den Backsteinhallen des Radialsystems an der Spree stattfand, wurde von der Performancekünstlerin und Komponistin Antye Greie kuratiert und überzeugt durch eine musikalisch vielfältige Auswahl zeitgenössischer Elektrokompositionen.

          Alle Musikbeiträge und Performances vereinte das gemeinsame Thema der dreitägigen Zusammenkunft „Grenzen und Grenzüberschreitungen“. Nicht nur die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Ausbrechen aus gesellschaftlichen Strukturen, das Hinterfragen normativer Ordnungen und der Nationalstaatlichkeit standen im Mittelpunkt, sondern auch wie Frauen als Akteure Rollenmuster ablegen und sich mit Hilfe von Netzwerken im männlich dominierten Musikgeschäft positionieren können.

          Das zunächst sehr diskursiv aufgeladene Programm entpuppte sich im Verlauf des Festivals als kraftvolles Manifest für eine intersektionale Musikwelt ohne Barrieren, das von vielen anwesenden Vertretern der Musikindustrie mit Begeisterung angenommen wurde. Verschiedene Formate wurden an den drei Festivaltagen erprobt. Während Sound- und Videoinstallationen die aktuelle Avantgarde feministischer Musikkunst vorstellten, boten die Konzerte Raum für bisher unbekannte Komponistinnen, aber auch für die Berühmtheiten der elektronischen Musikszene wie die Ungarin Judit Varga oder das Ensemble LUX: NM, das unter anderem mit Sarah Nemtsov zusammenarbeitet.

          Die Rolle von Genderdebatten für die Musikindustrie

          In unterschiedlichen Diskussionspanels, die sich mit Fragen wie „New „Perspectives on Gender in Music Business“ oder „Tabubruch, Fehler und Grenzverletzungen als ästhetische Strategie“ auseinandersetzen, wurde zudem die Rolle von Genderdebatten für die Musikindustrie diskutiert. „Es ist an der Zeit“, so das Resümee des ersten Konferenztages, „dass sich die Kämpfe der feministischen Bewegung auch im ästhetisch-musikalischen Ausdruck von Kompositionen niederschlagen“. Für die Wissenschaftlerin Marleen Hoffmann sei das die Zukunftsthematik der Musikindustrie. „Auch in Deutschland erscheinen noch Schulbücher für den Musikunterricht, die nicht eine weibliche Komponistin erhalten. Das sollte im 21. Jahrhundert nicht mehr so sein“. Die vorgestellten Stücke zeigen, welche Kreativität durch die Ignoranz von Plattenfirmen verloren geht, denn die Bandbreite der von Frauen produzierten Musik ist groß.

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