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Bayreuther Festspiele: „Götterdämmerung“ : Gibichungen-Punks spachteln Döner

  • -Aktualisiert am

Wie ein Denkmal ihrer selbst klagt und dröhnt und glitzert sie: Catherine Foster als Brünnhilde Bild: Enrico Nawrath

Bei der Bayreuther „Götterdämmerung“ ist schon vor dem Ende die Luft raus. Dem Pfeifkonzert des Publikums aber stellt sich der Regisseur Frank Castorf. Mit dem Stoff des „Rings“ hat er sich gar nicht erst befasst.

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          Als das Ende der Welt naht, ist die Luft raus aus Castorfs Bayreuther Lumpensammler-„Ring“. Kein Grund mehr zum Wundern oder Aufregen. Es gibt keinen Gimmick, keinen Schock- oder Showeffekt in dieser „Götterdämmerung“, die nicht schon zuvor im „Rheingold“, in der „Walküre“ oder im „Siegfried“ genutzt worden wären. Auch Running Gags können sich totlaufen. Ja, das Szenario sieht fast fünf Stunden lang so stadttheaterfade und volksbühnengewöhnlich aus, als habe die Regie nur noch die müden Reste seiner Einfälle für dieses Finale aufgefegt.

          Richard Wagner hatte offenbar auch hier wieder mal den längeren Atem. Glückwunsch dem Jubilar! Und ein Tusch für den Dirigenten Kirill Petrenko und sein Festspielorchester, die Wagners Musik trotz alledem so famos und kompromisslos ins lachende, krachende, süße Leben riefen! Kurz nach Schluss passiert doch noch etwas. Frank Castorf zieht eine letzte Karte aus dem Ärmel. Es ist der Ärmel seines Sonntagsanzugs, er zückt sie, als der Augenblick kommt, da er selbst sich zeigen soll vor dem Vorhang, und er hat den eigenen Auftritt inszeniert wie ein Western-duell, so, als ginge es nur darum, wer hier die besseren Nerven hat.

          Ein ganzer Schwarm von Vögeln ist unterwegs

          Wer geht am Ende tot vom Platz? Die Gegner sind perfekt präpariert. Das Publikum hat sich mit Trillerpfeifen bewaffnet. Castorf, kostümiert als lässiger Bourgeois in einem hellen Leinenanzug à la Gustav Aschenbach, wird umringt von seiner sechsköpfigen Taskforce, Bühnenbildner, Kostümbildnerin, Lichtdesigner, Videoleute, alle abendfein gemacht, frisch gebügelt und gegelt, abgesehen natürlich vom Regieassistenten Patric Seibert, der unermüdlich als Statist unterwegs war, als Tankwart, Bär, Barkeeper, Sparringpartner und Dönerbudenbesitzer und schlussendlich von den Rheintöchtern mit Wotans Mercedes-Coupé schnöde totgefahren wurde.

          Jetzt schaut er orientierungslos aus seiner Naturpulloverwäsche, zerzaust und theaterblutversaut. Steht, mit den anderen, an der Rampe herum, trotzt dem Tsunami der Proteste. Castorf aber posiert und grinst und kraftmeiert, und er greift sich immer wieder an den Kopf, um den Buhrufern einen Vogel zu zeigen. Mehr als zehn Minuten dauert die absurde Szene, ein ganzer Schwarm von Vögeln ist unterwegs. Petrenko und sein Orchester, das sich längst der Applausordnung halber auf der Bühne einfand, müssen warten. Und deutlich tritt in diesen Minuten zutage, was die zersplitterten Castorfschen „Ring“-Ideen zusammenhielt.

          Am Chéreau-„Ring“ kommt keine Inszenierung vorbei

          Es ist der Zynismus desjenigen, der sich auf der richtigen Seite der Geschichte wähnt. Wenn Mythos und Märchen, Geschichte und Gesellschaft, Musik und Politik nur noch Material für eine Provokationsverwurstungsmaschine sind, wird die Theaterarbeit zum sinnentleerten, pseudoaufklärerischen Ritual. Aber vielleicht war das am Ende doch der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? Zumindest könnte die dynamische Tradition der Bayreuther Publikumsreaktionen dafür sprechen. Auch der sogenannte Jahrhundert-„Ring“ von Patrice Chéreau wurde erst mit Trillerpfeifen begrüßt, dann geliebt und mit Tränen verabschiedet.

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