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Bayreuther Festspiele : „Der schöne Zwang, immer dasselbe zu machen“

  • Aktualisiert am

Katharina Wagner und Dirigent Christian Thielemann Bild: Kay Herschelmann

Zwei Stars haben sich zusammengetan und bewerben sich um Bayreuth: Katharina Wagner und der Dirigent Christian Thielemann. Das vollständige Gespräch mit der F.A.Z. über Harmonie, die Krise des Wagner-Gesangs und darüber wie das neue Duo ihr trotzen möchte.

          8 Min.

          Bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen hat Katharina Wagner ihr Hügel-Debüt als Regisseurin mit den „Meistersingern“ gegeben, Christian Thielemann dirigierte den „Ring“. Nun haben sich die beiden Stars zusammengetan, um Katharinas Vater Wolfgang Wagner als Festspielleiter zu beerben. Gegenüber dieser Zeitung offenbaren sie ihre Pläne.

          Frau Wagner, die Geschichte wiederholt sich: Sie wollen gemeinsam mit Herrn Thielemann die Festspiele in Bayreuth führen, so, wie es einst Witwe Winifred mit dem Berliner Dirigenten und Intendanten Heinz Tietjen tat?

          Katharina Wagner: Ja, das stimmt. Wir haben uns entschieden, gemeinsam anzutreten als Leitungsteam.

          Wartet bis Katharina bereit ist: Festspielleiter Wolfgang Wagner
          Wartet bis Katharina bereit ist: Festspielleiter Wolfgang Wagner : Bild: dpa

          Dann sollten Sie, Herr Thielemann, vielleicht auch gleich wieder einen GMD-Posten in Berlin übernehmen, damit der historische Vergleich nicht so hinkt . . .

          Christian Thielemann: Nein, danke. Ich bin sehr glücklich in München mit den Philharmonikern. Ich werde diese Stelle für Bayreuth weder aufgeben noch vernachlässigen. Aber Katharina und ich haben schon so oft und viel über Bayreuths Zukunft gesprochen, dass wir eines schönen Tages feststellten, dass unsere Ansichten absolut deckungsgleich sind.

          Kann man den Beginn dieser Harmonie genau datieren?

          Thielemann: Als ich in den Achtzigern erstmals nach Bayreuth kam, als Korrepetitor für Daniel Barenboim, da war Katharina natürlich noch viel zu jung. Ich kann mich nicht mal an unsere erste Begegnung erinnern. Aber seit ich selbst in Bayreuth dirigiere, seit 1996, hatte ich täglich sehr eng mit ihr zu tun, weil sie als Regieassistentin bei den „Meistersingern“ gearbeitet hat. Und jetzt steht die Frage vor der Tür, wie es weitergehen soll in Bayreuth. Wir stellen fest: Wir beide können uns das blendend zusammen vorstellen. Wir kennen uns so gut, dass wir einander auch mal schonungslos die Meinung sagen können. Außerdem hätten wir für eine neue Ära genau das richtige Alter.

          Wagner: Mit der neuen Ära ist das so eine Sache. Es gibt bereits unterschriebene Künstlerverträge mit der amtierenden Festspielleitung, bis 2015 im voraus. Will man nicht eine Menge Geld aufs Spiel setzen - öffentliche Gelder, wohlgemerkt, denn Bayreuth finanziert sich auch aus Steuergeldern -, sollten diese Verträge möglichst eingehalten werden. Das bedeutet: Für die ersten acht Jahre können wir nur eine Art Nachlassverwaltung für die Ära Wolfgang Wagner leisten. Ich will jetzt nicht uncharmant werden, aber es ist doch eine Tatsache, dass meine Kusine Nike und meine Halbschwester Eva schon aus Altersgründen keine Möglichkeit hätten, unter diesen Umständen ein eigenes Profil zu entwickeln. Bevor sie die Hände frei hätten für die eigene Planung, wären sie weit übers Rentenalter hinaus.

          Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich Ihr Vater einen Vertrag auf Lebenszeit ausgehandelt hatte. Wolfgang Wagner ist zugleich alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer der Festspiele. Einer der Gründe, warum sich die Bayreuther Festspiele künstlerisch so festgefahren haben

          Wagner: Dieses Image von der Bayreuther Bunkermentalität muss aufgebrochen werden. Die Festspiele werden mit öffentlichen Geldern finanziert, das verpflichtet.

          Thielemann: Ich finde es katastrophal, wie selbstverständlich es heute im Kulturbetrieb ist, ja, eigentlich schon ein Normalfall, dass Steuergelder verschwendet werden, nur weil die neue Leitung eines Theaters oder Orchesters grundsätzlich davon ausgeht, dass alles anders werden muss. Da wird dann reihenweise gekündigt, man räumt auf mit allem, was vorher war, bricht Verträge, zahlt die Leute aus. Genau das haben wir in Bayreuth nicht vor. Wir wollen Kontinuität.

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