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Antike Musikinstrumente : Die Leier des Urzababa

Harfenspielerin aus Boscoreale Bild: Landesmuseum Württemberg, Bildar

Die Urzeitflöte rauscht, das Signalhorn scheppert wie ein Elefant: Eine Ausstellung in Würzburg widmet sich antiken Musikinstrumenten – mit Klangbeispielen.

          4 Min.

          Als König war Schulgi von Ur gut besetzt. In den knapp fünfzig Jahren seiner Regierungszeit am Ende des dritten Jahrtausends vor Christi Geburt vergrößerte er sein Reich immens, vereinheitlichte die Verwaltung und stieß bedeutende Bauprojekte an. In einer Hymne, die er sich selbst widmete und die als Keilschrift-Täfelchen auf uns gekommen ist, strich er aber noch ganz andere Fähigkeiten heraus: Er beherrsche die Gischurrak-Laute ebenso wie die Leier aus Mari, die Algar-Harfe, die Leier des Urzababa, die Charchar-Leier und eine Menge anderer Saiteninstrumente – man brauche ihm nur ein neues zu bringen, schon könne er es spielen. Von Blasinstrumenten wie der Doppeloboe ganz zu schweigen.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Vor gut viertausend Jahren scheint es also für einen sumerischen König zum guten Ton gehört zu haben, seine Untertanen auch als Musiker zu beeindrucken. Was genau aber sind das für Instrumente, deren Beherrschung er sich rühmt? Wann wurden sie gespielt und für wen? Wie haben sie geklungen? Und welche Evolution haben die einzelnen Instrumententypen durchgemacht, bevor sie nicht mehr gebaut und gespielt wurden oder zu den heute gebräuchlichen führten?

          Nachbau der anatolischen Riesenleier

          Anders als die Instrumente aus Europas Mittelalter, Renaissance und Barock, die teils bereits im frühen zwanzigsten Jahrhundert neu entdeckt und auf eine möglichst authentische Spielweise hin untersucht wurden, ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit Instrumenten der Vor- und Frühgeschichte sowie der Antike eine Erscheinung, die erst seit den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts im größeren Umfang stattfindet. Inzwischen hat die Europäische Union ein millionenschweres Projekt namens EMAP aufgelegt, in dessen Rahmen derlei Instrumente erforscht und auch nachbaut werden.

          Die Grundlage hierfür ist je nach Instrument sehr unterschiedlich. Von manchen haben sich Exemplare erhalten, die etwa als Grabbeigaben dienten, von chinesischen Knochenflöten bis zur berühmten Silberleier aus Ur. Sie sind, besonders was die Teile aus organischem Material angeht, oft in derart fragmentarischem Zustand, dass die von hier ausgehende Rekonstruktion sehr viel Raum für Interpretationen lässt. Andere Instrumente wie die griechische Kithara sind ausschließlich durch bildliche Darstellungen und Beschreibungen bekannt. Und eine riesige anatolische Leier ist nur in einem einzigen Vasenbild auf uns gekommen.

          Eine Ausstellung im Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg versucht nun, einen Überblick zur Musik in den antiken Hochkulturen in Vorderasien, Nordafrika und Mitteleuropa zu geben. Dieser geographisch wie zeitlich weite Blick zielt auf das Gemeinsame der musikalischen Praxis, auf das, was etwa die Lautenformen durch die Zeiten miteinander verbindet, auf die Entwicklung des Steges bei Saiteninstrumenten oder die Gemeinsamkeiten der Mundstücke bei Bläsern. Und natürlich auf die Frage, von welchem Moment an überhaupt von Musik gesprochen werden kann.

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