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Zum Tod von Siegfried Matthus : Anpacken statt trauern

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Der Komponist und Intendant Siegfried Matthus (1934-2021) Bild: dpa

Siegfried Matthus gehörte zu den einflussreichsten Komponisten der DDR und arbeitete mit dem Dramatiker Peter Hacks zusammen. Jetzt ist er mit 87 Jahren gestorben.

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          Siegfried Matthus war kein Künstler für den Elfenbeinturm, und selbst wenn er ins abgelegene Brandenburgische kam, weilte er nicht aus nostalgischen Gründen oder nur erholungsweise an dem Ort, wo er nach der Flucht seiner Familie aus Ostpreußen die Jugendjahre verbracht hatte: Die von ihm 1990 initiierte und bis 2014 geleitete „Kammeroper Rheinsberg“ war lange ein wichtiges musiktheatralisches Nachwuchsforum – und bezeichnete bald nach der Wende, die manch andere DDR-sozialisierte Künstler in krisenhafte Situationen brachte, seine Art der Daseinsgestaltung: anpacken statt sinnieren oder gar trauern. Dass er zu diesem Zeitpunkt auch international schon längst einen geachteten Namen hatte – was er, selbstbewusst und jovial, gelegentlich auch im Sinne anderer Kollegen zu nutzen wusste –, war dabei natürlich hilfreich.

          Matthus’ künstlerisches Ansehen gründete zuerst auf sein Gespür für die Erfordernisse und Wirkmöglichkeiten des Musiktheaters. Peter Hacks, der Wählerische, schrieb ihm ein Libretto („Omphale“); die Uraufführung der „Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ gehörte, von Ruth Berghaus inszeniert, 1985 zu den ersten Inszenierungen der wiedergeborenen Dresdner Semperoper; auch die alttestamentarische „Judith“ aus dem gleichen Jahr erlebte etliche Reprisen.

          Klangsinnliche, dramaturgisch griffige und szenisch-plastische Gestaltungen, die sich aller modernen Kompositionsströmungen wohl bewusst waren, ohne sich in irgendeine Dogmatik zu begeben, zeichneten nicht nur Siegfried Matthus’ Opern, sondern auch seine anderen Werke aus. Über sechshundert sind es am Ende geworden – offen im Annehmen des vom Künstler als gut und sinnvoll Empfundenen, offen aber auch in Richtung einer breit gedachten Hörerschaft, die er mit dem Anknüpfen an vertraute Muster und deren behutsamer Modernisierung gewinnen wollte. Noch vor knapp zwei Jahren gab es von ihm eine neue Oper nach Fontanes „Effi Briest“; am vergangenen Freitag nun hat der Komponist, 87-jährig, seinen Weg vollendet.

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