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Alexander Pereira geht - und spricht : Ich führe einen blutigen Kleinkrieg

  • Aktualisiert am

Alexander Pereira Bild: Charlotte Oswald

Er ist der Salzburger Intendant mit der kürzesten Amtszeit. 2012 trat er mit einem opulenten Programm an, beendet wurde Alexander Pereiras Vertrag schon vor der Spielzeit. Was bleibt?

          Herr Pereira, ist Salzburg für Sie zur Niederlage Ihres Lebens geworden?

          So würde ich das nicht sagen. Ich freue mich, dass ich diesen Job insgesamt drei Jahre hier machen darf und allen zeigen kann, wie ich mir Salzburger Festspiele vorstelle. Ich habe auch noch Schwung genug für den nächsten Sommer! So viel Enthusiasmus, wie ich dieses Jahr hier entfachen konnte, ist mir überhaupt in meinem ganzen Leben noch nie gelungen. Hunderte hielten vor dem Festspielhaus „Suche Karte“-Schildchen hoch. Diese Erwartungshaltung ist es, die ein Festspiel braucht. Dass man kämpfen muss, um irgendwo reinzukommen, dass da nicht eine Veranstaltung mal ausverkauft ist, sondern dass fünf ausverkaufte Veranstaltungen parallel stattfinden. Diese Fülle, dieses Flirren ist es, das kreiert in den Menschen die Hoffnung, dass hier in Salzburg Sehnsüchte nach Kunst gestillt werden können, wie das anderswo nicht möglich ist. Dass ich dieses Verlangen wecken kann, ist mir ein Zeichen: Ich bin auf dem richtigen Weg.

          Dieser Weg ist 2014 zu Ende. Traurig?

          Ja, natürlich bin ich wehmütig! Nachdem alle anfangs gesagt haben, der Mann ist größenwahnsinnig, tritt doch jetzt genau das ein, was ich prophezeit habe. Unsere Bilanz ist glänzend! Für 2,4 Millionen haben wir mehr Karten verkauft, als erwartet, rund achtzigtausend Menschen mehr in die Stadt geholt. Und soll ich nicht wehmütig sein, wenn ich jetzt merke, dass Projekte, die ich geplant habe und an denen ich hänge, womöglich nicht mehr miterleben kann? Dem György Kurtág laufe ich schon seit fünfundzwanzig Jahren nach, dass er eine Oper komponieren soll. Jetzt liegen die ersten 120 Seiten auf meinem Schreibtisch, und nun muss ich weggehen, bevor das Stück uraufgeführt werden kann: Das tut wahnsinnig weh! Das Problem war: Noch bevor ich hier anfing, hat man versucht, mir die Luft abzudrehen.

          Wer ist man? Das Kuratorium? Die Presse?

          An erster Stelle möchte ich die Präsidentin nennen, Frau Rabl-Stadler. Sie ist die Geschäftsführerin und mischt sich zugleich in künstlerische Belange ein. Das ist das Unglück dieser Festspiele. Mitten im Sommer, als wir alle gerade auf Wolke sieben schwebten, da gab sie ihren Quartalsbericht heraus und behauptete, es drohe ein Defizit, dabei waren weder alle Einnahmen an der Kasse berücksichtigt in diesem Bericht, noch die 500 000 Euro, die die Scala für die Übernahme von Produktionen aus 2013 angeboten hat. Damit an die Presse zu gehen, war total destruktiv.

          Sie wissen doch ebenso gut wie die Präsidentin, dass Oper eine feudale Gattung ist. Jede Aufführung kostet ein Vielfaches von dem, was man überhaupt einnehmen kann. Je mehr Aufführungen man ansetzt, desto teurer wird es. Ist die Prognose, dass das erweiterte Angebot ein Defizit bringen kann, nicht ganz vernünftig?

          Diese Rechnung stimmt für den Opernbetrieb, nicht für die Festspiele. Wir fangen zwar eine Woche früher an mit der „Ouvertüre spirituelle“, aber diese Konzerte haben sich mühelos selbst getragen in diesem Sommer. Sie haben sogar um 250 000 Euro besser abgeschnitten als geplant, wir haben also deutlich mehr eingenommen, als es gekostet hat. Und es war faszinierend zu sehen, wie Konzerte mit Shomyo-Chören bis auf den letzten Platz ausverkauft waren! Zur Opernfrage möchte ich Ihnen eine Rechnung vorlegen, die unser Verwaltungsdirektor ausgerechnet hat: Würde ich das Programm von 2011 eins zu eins mit denselben Künstlern und denselben Opern auch 2013 gemacht haben, dann hätte das 4,7 Millionen Euro mehr gekostet.

          Diese Summe ergibt sich aus den jährlichen Tarifsteigerungen und durch die Lohnkosten, dazu kommen Sachkostenerhöhungen und Auflagen des Rechnungshofes nach dem Osterfestspiel-Skandal. Außerdem haben die Festspiele 2011 zwei Sponsoren verloren, nämlich Credit Suisse und Uniqua, im Werte von 1,3 Millionen. Das heißt: Das künstlerische Programm von 2011 würde, genauso realisiert nur zwei Jahre später, ein 6,3 Millionen-Loch haben. Und für die Zukunft heißt das: Wenn die Tariferhöhungen auch künftig nicht ausgeglichen werden vom Staat, werden den Festspielen 2016 rund dreizehn Millionen fehlen. Die einzusparen im künstlerischen Programm, ist unmöglich. Vier Opernproduktionen weniger? Dann sind die Salzburger Festspiele am Ende.

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