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Aerosole und Chöre : Pauschale Singverbote sind übertrieben

Die Sopranistin Anja Petersen bei den Messungen in Berlin Bild: Bernhard Heß/Archiv Rias-Kammerchor

Eine neue Studie der Charité und der Technischen Universität Berlin legt Daten auf den Tisch, die Chören das Arbeiten möglich machen – eine belastbare Grundlage für Diskussionen mit der Politik.

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          Die Lage der Chöre in Deutschland ist ernst. Proben und Auftritte können wegen der Corona-Pandemie nur sehr eingeschränkt oder gar nicht stattfinden. Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters empfahl Mitte dieser Woche bereits allen privat finanzierten Chören, Mittel aus dem Förderprogramm „Neustart Kultur“ zu beantragen, das den privatwirtschaftlich organisierten Musikbetrieb erhalten soll. Besonders schwer erträglich ist die Lage in Berlin, wo der Senat ein grundsätzliches Singverbot in geschlossenen Räumen erließ, ohne zuvor Rücksprache mit den Rundfunkchören, den Opernintendanten oder den Chorverbänden zu nehmen. Bernhard Heß, dem Direktor des Rias-Kammerchores, der längst wieder mit den Proben begonnen und am 20. Juni auch schon ein erstes Konzert gegeben hatte, blieb nichts weiter übrig, als seinen Chor vorzeitig in die Ferien zu schicken.

          Jan Brachmann
          Redakteur im Feuilleton.

          Kurz zuvor aber beteiligten sich acht Sängerinnen und Sänger des Chores an einer aufwendigen Studie, die das Hermann-Rietschel-Institut (HRI) der Technischen Universität Berlin gemeinsam mit der Klinik für Audiologie und Phoniatrie an der Berliner Charité durchführte. Die Ergebnisse der von Anne Hartmann (HRI) und Dirk Mürbe (Charité) geleiteten Arbeitsgruppe liegen nun als Preprint vor. Sie betreffen einmal Untersuchungen zur „Erhöhung der Aerosolbildung beim professionellen Singen“ und zum andern die „Risikobewertung von Probenräumen für Chöre hinsichtlich virenbeladener Aerosole“. Zeitgleich hat auch das Klinikum der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Erlangen und dem Chor des Bayerischen Rundfunks Experimente unternommen, die noch einmal die Aerosolausbreitung beim Singen im Nahfeld um den Mund herum sichtbar machten.

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